Spielemacher

Was macht ein Fußballstar, wenn er in den Ruhestand geht? Richtig: er spielt Theater.

Respekt, Herr Hartwig, als Darsteller des Woyzeck am Theater Leipzig gab es für Sie durchweg gute Kritiken – nicht übel für einen Ex-Fußballprofi.
Jimmy Hartwig: Ich bin stolz, dass ich diesen Wandel hinbekommen habe. Wenn mir das Publikum auf der Bühne applaudiert, löst das größere Glücksgefühle aus als früher ein Tor.

Kokettieren Sie da nicht ein wenig?
Mit dem Hambur-ger SV waren Sie mehrmals Deutscher Meister und sogar Europacup-Sieger. Viele Fußballer können von so einer Karriere nur träumen. Beim Fußball wusste ich, was ich kann, das habe ich ja von klein auf gelernt. Aber auf der Bühne war alles neu für mich. Zum Glück habe ich eine tiefe und laute Stimme, die einen Saal füllen kann.

Wer hat Sie für das Theater entdeckt?

Der Schauspieler und Regisseur Thomas Thieme. Er sprach mich Ende der Neunziger in einem Restaurant an: ob ich den Mut hätte, im Theater zu spielen. Als alte Rampensau habe ich gleich gesagt: Mach ich! Ich war vorher ab und an im Thalia Theater gewesen und bewunderte die Schauspieler dort. Ich hatte auch schon in ein paar Vorabendserien mitgespielt, aber das war kein Vergleich. Die ersten Sporen habe ich mir 2002 in Brechts Baal verdient, an der Seite von Blixa Bargeld und Ben Becker. Auf dem Fußballfeld waren Sie für Ihre große Klappe bekannt. Wie verliefen die Theaterproben?
Da war ich anfangs ganz still und schüchtern. Aber Thomas hat mir immer gesagt, dass ich Präsenz zeigen muss. Das habe ich dann auch gemacht.

War es schwierig, sich in die Rolle des Woyzeck hineinzuversetzen?
Woyzeck ist ja ein Getriebener, er wird beschissen, schikaniert und ausgenutzt, er sucht nach Liebe. Mir ging es in meinem Leben oft ganz ähnlich.

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Das entspricht nicht unbedingt dem Bild, das die Öffentlichkeit von Ihnen hat.
Ich habe immer Anerkennung gesucht, schon als Kind. Ich bin ein sehr sensibler Mensch. Mein Vater war ein afroamerikanischer GI, deshalb wurde ich als Kind oft verhöhnt. Die große Klappe war da Selbstschutz: Ich wollte mich nicht mehr verletzen lassen.

Müssten Sie sich heute entscheiden zwischen Karten für den Jedermann in Salzburg oder das Champions-League-Finale – welche würden Sie nehmen?

Auf jeden Fall die Festspiele. Das Finale wird ja auch im Fernsehen übertragen.

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Jimmy Hartwig, 55, gewann mit dem HSV dreimal die Deutsche Meisterschaft. Später erkrankte er an Krebs. 2004 ging er ins RTL-Dschungelcamp. Heute steht er auf der Theaterbühne – und hat vor jedem Auftritt Lampenfieber "bis zur Übelkeit".

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