»Ein Freund hat kürzlich erzählt, dass ihm immer häufiger Produkte mit Edelsteinwasser (durch Heilkristalle energetisch aufgeladenes Wasser) begegnen. Zuletzt machte ein Bäcker bei ihm in der Nähe Werbung, seine Brötchen mit derart gereinigtem Wasser zu backen. Mein Freund findet, dass dieser – jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrende – ›Schwindel‹ verboten gehört, zumindest aber boykottiert werden sollte. Er fragte, ob ich bei diesem Bäcker (der leider weit und breit die besten Brötchen backt) einkaufen würde. Ich bin hin- und hergerissen, weil unsere Gesellschaft zurzeit zunehmend wissenschafts- und faktenfeindlich wird und sich jegliche Unterstützung in diese Richtung verbietet. Was wäre die richtige Entscheidung?« Jeremias L., Hamburg
Ganz ehrlich, mir wäre es völlig egal, Hauptsache, die Brötchen wären gut. Zumal Heilkristalle, die man ins Wasser legt, diesem ja wenigstens nichts Schädliches hinzufügen. Moment, halt: solange es sich dabei um Bergkristall, Amethyst oder Rosenquarz handelt und nicht etwa um Malachit, Azurit, Türkis, Fluorit, Lepidolith, Pyrit, Selenit oder noch ein paar andere Mineralien, die nicht ins Wasser gelegt werden sollten, weil sie sich darin auflösen und/oder gefährliche Substanzen ins Wasser abgeben können. Ebenfalls nicht in Wasser für Brötchen gehören gefärbte oder gefälschte Steine. Wenn der Bäcker das alles weiß und berücksichtigt, wovon wir optimistisch ausgehen wollen, und seine Brötchen hygienisch einwandfrei sind, ist sein Tun wenigstens nicht gesundheitsschädigend. Anders sähe es aus, wenn der Bäcker nun etwas Irreführendes behaupten würde, etwa, seine Backwaren hätten nunmehr heilende Wirkung. Dann, teilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf Anfrage mit, würde es sich bei diesen Brötchen nicht mehr um ein Lebensmittel handeln, sondern um ein Arzneimittel, und müsste erst mal zugelassen werden. Das Bundesamt teil weiter mit, ihren Recherchen zufolge handle es sich bei angeblich durch Zugabe von Edelsteinen oder Mineralien »energetisiertem« Trinkwasser nicht um ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren. Es gebe auch keinen Beleg für eine Optimierung des auf diese Art hergestellten Leitungswassers. Trinkwasser beziehungsweise Leitungswasser werde in Deutschland sehr streng kontrolliert und könne daher unbedenklich und ohne weitere Behandlung getrunken werden.
Sie schreiben nicht, ob der Bäcker für diese besonderen Brötchen mehr Geld verlangt. Dann würde ich nämlich doch woanders hingehen, weil man für Quatsch ja nicht auch noch bezahlen muss.
