»Eine Freundin von mir hat in der Vergangenheit fast jedes Jahr ihren Freundeskreis zu einem Geburtstagsfest bei sich zu Hause eingeladen. In diesem Jahr lädt sie nur Frauen ein, mich also nicht. Ich weiß, dass es allein ihr zusteht, den Kreis der Gäste zu bestimmen; ich hätte natürlich Verständnis, wenn sie in kleinem Kreis feiert und ich deswegen mal nicht dabei bin. Aber gleich mal alle Männer in ihrem Freundeskreis nicht einzuladen, auch langjährige und engere Freunde von ihr nicht, und dafür ausschließlich Frauen, auch solche, mit denen sie gar nicht besonders eng befreundet ist, das verwundert und beschäftigt mich. Zu Recht?« Anonym, per Mail
Aus Ihrer Frage spricht echte Enttäuschung, und das heißt ja eigentlich nur, dass Sie diese Freundin wirklich sehr mögen. Oder aber, Möglichkeit zwei, Sie halten generell Zurückweisung schlecht aus und sind einfach aus Prinzip empört. So oder so müssen Sie sich vor Augen halten, dass die Entscheidung, wen sie wann einlädt, immer allein der einladenden Person obliegt. Es gibt kein Recht darauf, eingeladen zu werden. Andersherum gibt es nicht die Pflicht, Jahr für Jahr dieselben Leute einzuladen. Vielleicht sehnt sich Ihre Freundin nach neuen Gesprächen, neuen Gesichtern, neuer Energie? Wissen wir nicht. Müssen wir nicht wissen. Es ist ihre Party, und sie lädt ein, wen sie will.
Aber ich möchte Sie unbedingt darauf hinweisen, dass Sie sich ja eben keineswegs persönlich gemeint fühlen müssen. Denn Ihre Freundin hat doch die geradezu salomonische Entscheidung getroffen, die diesmalige Gästezusammensetzung mit dem Geschlechterschlüssel zu begründen. Dass Sie nicht eingeladen werden, hat also nichts damit zu tun, wie Sie sind, oder mit Ihrer beider Freundschaft, sondern einzig und allein mit der schnöden Tatsache, dass Sie mit einem Y-Chromosom geboren wurden. Das ist doch wahnsinnig entlastend. Und da ich zum Beispiel, wie Ihre Freundin, mit zwei X-Chromosomen zur Welt kam, kann ich Ihnen verraten, dass ein Abend unter Frauen tatsächlich anders ist als einer, bei dem Männer anwesend sind, oder sei es auch nur ein Mann. Warum das so ist, keine Ahnung. Alles, was man dazu nun sagen könnte, wäre klischeehaft, wie es das vermutlich auch wäre, wenn Sie mir von einem Männerabend erzählen würden. Es kann natürlich auch herzlich langweilig werden, so ein Abend nur unter Frauen, darauf können Sie nun hoffen, auf dass Sie – und all die anderen diesmal leider draußen bleiben müssenden Männer – nächstes Jahr wieder mit von der Partie sind.
