Nichts als heiße Luft

Unseren Leser ärgert, dass viele Trainierende im Fitnessstudio den elektrischen Händetrockner nutzen, obwohl sie doch ihr eigenes Handtuch dabeihaben. Darf er sie freundlich darauf hinweisen?

Illustration: Serge Bloch

»Ich gehe seit Jahren in ein Kraftstudio. Die Mitglieder benutzen nach dem Händewaschen meistens den elektrischen Händetrockner, der zirka 30 Sekunden laut und deutlich Feinstaub verbläst und Strom verbraucht. Dabei haben sie ihr eigenes Handtuch über der Schulter. Meine Nachfrage ergab, dass diese Geräte Vorschrift des Betreibers sind und man nichts dagegen machen könne. Ein von mir neben das Gerät ge­hängter Zettel ›Bitte das eigene Handtuch benutzen‹ wurde entfernt. Mein Brief an die Geschäftsleitung dieser Studiokette wurde freundlich ablehnend beantwortet. Ist es übergriffig, wenn ich einzelne Personen nach ihrem Waschgang freundlich anspreche? Bisher habe ich tief Luft geholt und weitertrainiert (das Geräusch ist im Studio klar zu hören).«  Wolfgang S., Köln

Also, erst mal soll festgestellt werden, dass tief Luft zu holen nie verkehrt ist. Am besten tief in den Bauch, ein paarmal hintereinander, und betont lange ausatmen, das beruhigt das Nervensystem. Und jetzt kommen sowieso nur noch gute Nachrichten.Vor allem diese: Zwar verbraucht dieses elektrische Handtrockengebläse Strom, aber nicht viel. Üblicherweise läuft so ein Gerät auch nicht 30 Sekunden, sondern zwischen sieben und 15 Sekunden, schon sind die Hände trocken. Ein modernes Gerät verbraucht für eine einzelne Trocknung typischerweise etwa so viel wie eine 60-Watt-Birne, die ein paar Minuten lang brennt (genauer lässt es sich nicht sagen, weil es von Modell zu Modell variiert). Wenn sich in einem Sportstudio damit 100 oder 200 Leute am Tag die Hände trocknen, wäre das vom Stromverbrauch her also so viel wie eine 60-Watt-Glühbirne, die einige Stunden oder einen ganzen Tag lang brennt. Eine stundenlang brennende Glühbirne ist natürlich nicht nichts, aber auf die Idee, eine Glühbirne in der Toilette Ihres Sportstudios auszudrehen, kämen Sie vermutlich nicht. Was Feinstaub angeht, so wirbeln diese Handtrockner nur auf, was ohnehin vorhanden ist, etwa Hautpartikel, Wassertröpfchen oder Staub und Keime aus der Umgebungsluft, sie produzieren aber keinen neuen Feinstaub.

Natürlich haben Sie Recht damit, dass es umweltfreundlicher wäre, die Sportler würden ihr eigenes Handtuch zum Händetrocknen benutzen, und auch unkompliziert, wo sie es doch eh schon dabei haben. Aber vielleicht lieben sie es einfach, die heiße Luft um ihre Finger zu spüren? Wissen wir’s? Sie selbst machen es einfach anders, besser. Versuchen Sie zu akzeptieren, was Sie nicht ändern können, man kann nicht alles im Leben kontrollieren.