Der Andere

Tobias Schweinsteiger, 27, ist Fußballprofi in der Dritten Liga. Und der Bruder eines Weltstars. Über das unterschiedliche Leben zweier Brüder, die denselben Traum teilten.

Zwei Brüder, auf die Welt geholt vom selben Frauenarzt, im selben Dorf groß geworden, auf denselben Wiesen gebolzt, bei jedem Wetter, dieselben Hänge hinuntergestürzt auf den Skiern, den gleichen Traum geträumt vom Leben als Profisportler. Zwei Geschichten. Die eine beginnt so: Tobias Schweinsteiger wird dreimal deutscher Vize-Juniorenmeister. Im Skifahren, Abfahrt, Slalom, Riesenslalom. Er fährt drei Jahre im Kader der Nationalmannschaft und ist viel unterwegs, zu Hause in Oberaudorf wartet ein stolzer Vater. Dann das Aus. Im Sommer 2002 beendet er mit zwanzig Jahren seine Skikarriere, weil er zu oft nur noch hinterherfährt, und fängt wieder an, Fußball zu spielen. Er hat viel aufzuholen.

Im selben Jahr, nur ein paar Monate später, und das ist schon die andere Geschichte, spielt der FC Bayern in der Vorrunde der Champions League gegen die französische Mannschaft RC Lens. Es geht um nichts mehr, die Bayern sind schon ausgeschieden, es war kein gutes Jahr. Also schickt Trainer Ottmar Hitzfeld in der 76. Minute für Mehmet Scholl den 18-jährigen Amateurspieler Bastian Schweinsteiger auf den Platz. Der begeistert die 22 000 Zuschauer im nächtlichen Olympiastadion mit seinen Dribblings, seinem Tempo, seiner Frechheit. Er bereitet ein Tor vor und sagt nachher, Keks und Banane in der Hand, in die Kameras, er würde gern mal wieder mitspielen bei den Profis. »Eine Entdeckung namens Schweinsteiger«, schreibt die FAZ. Tobias Schweinsteiger sieht das Spiel im Fernsehen, in Oberaudorf. Danach weiß er, dass er den kleinen Bruder nicht mehr einholen wird.

Februar 2009, eines der letzten Trainings der Spielvereinigung Unterhaching vor dem Start in die Rückrunde der Dritten Liga: Profifußball. Tobias Schweinsteiger bekommt in diesem Training wieder kein gelbes Leibchen, er wird auch an diesem Wochenende nur Ersatz sein. Tobias Schweinsteiger, 27, 183 cm, Stürmer, ist der ältere Bruder eines Weltstars. Bastian Schweinsteiger, 24, 181 cm, Bayern München, 62 Länderspiele, stand im Finale der Europameisterschaft, wurde von Real Madrid umworben, sein Marktwert wird auf 16 Millionen Euro geschätzt. Sie haben den gleichen Beruf, einen ähnlichen Laufstil, eine ähnliche Körpersprache.

Den Schweinsteiger können sie beide auf dem Platz nicht verbergen, man erkennt ihn sofort, selbst aus 40 Metern. Weil er läuft, wie er läuft, lauernd, zögernd, und weil er stehen bleibt, wie er stehen bleibt, wenn er den Ball verliert, mit hängenden Schultern und eingezogenem Kopf. Als hätte das alles keinen Sinn mehr. Wenn ein Schweinsteiger frustriert ist, sieht das jeder im Stadion, an diesem Vormittag in Unterhaching sind es die Arbeiter, die auf der Tribüne den angefrorenen Schnee beiseite räumen, der Kameramann eines Lokalsenders, der über den Rasen schwenkt, die drei Rentner, die am Spielfeldrand rauchen, die Köpfe schütteln und schimpfen.

»Schnell wäre er ja schon, der Schweinsteiger«, sagt einer mit Hut. Sein Nebenmann schüttelt unwirsch den Kopf. »Der ist doch ein Geradeaus-läufer. Sein Bruder, das ist ein ganz ein anderer.« Und weil man auch aus der Nähe den Schweinsteiger sofort erkennt, spielt Tobias Schweinsteiger – auf dem Bolzplatz mit den Kumpels, im Training oder in der Liga – immer auch gegen seinen Bruder und gegen die Frage, warum dieser Champions League und Nationalmannschaft spielt und er in der Dritten Liga meistens auf der Bank sitzt.

Am Ende des Trainings bilden die Unterhachinger Spieler eine Linie, gehen langsam den Rasen ab und treten herausgerissene Rasenstücke wieder ein. Rasenpflege ist in der Dritten Liga auch Spielersache. Die Rentner sind schon gegangen, das Kamerateam auch. Nach dem Duschen hat Tobias Schweinsteiger nicht lange Zeit, ein Mitspieler wartet, sie haben fast den gleichen Heimweg, Richtung Rosenheim.

Dort, in einem Café in der Stadtmitte, wird Tobias, Fußballergang, Fußballerfrisur, fester Handschlag, bei Milchkaffee und Rotweinkuchen darüber sprechen, wie es ist, immer der Bruder zu sein. Wenn er mit Unterhaching gegen die Amateure des FC Bayern spielt, steht in der Zeitung am nächsten Tag, dass der auffälligste Spieler auf der Tribüne saß: Basti, in schwarzem Mantel, schwarzer Kappe, schwarzer Sonnenbrille und weißem Künstlerschal. Nervt das nicht wahnsinnig, immer und immer der Bruder? Tobias zuckt die Schultern: »Ich bin das gewohnt. Für die meisten bin ich der Bruder vom Basti, klar. Der Zusammenhang ist immer da, das ist halt so, damit muss ich mich abfinden. Aber es macht mich nicht schlechter, dass mein Bruder so gut ist.«

Außerdem kann er den Namen ja nicht abstreifen, er kann den Schatten des Bruders nicht abschütteln, den ewigen Vergleich nicht verhindern. Er kann ihn nur weglächeln. Und trotzdem wird ihm kaum jemand glauben, dass er nicht neidisch ist. Tobias Schweinsteiger steht vor der unlösbaren Aufgabe, ehrlich zu sein und dennoch nicht frustriert zu wirken. Für das Gespräch im Café hat er sich einen Freund mitgebracht, mit dem er früher Ski gefahren ist. Gewissermaßen als Unterstützung.

Also lächelt Tobias Schweinsteiger, lehnt sich zurück, verschränkt die Arme und sagt: »Ich kann mit der Situation gut umgehen, weil ich ja weiß, warum der Basti weiter gekommen ist als ich.« Es hat mit seiner Beinahe-Karriere als Skiprofi zu tun: Von 1998 bis 2002 konzentriert sich Tobias ganz aufs Skifahren und spielt kaum mehr Fußball, diese vier Jahre verpasst er im Fußball, vier wichtige Jahre, von 16 bis 20, der Übergang von der Jugendmannschaft zu den Erwachsenen. »In der Zeit lernt man im Fußball brutal viel, das kann man fast nicht mehr aufholen«, sagt er. 1998 wechselte Bastian Schweinsteiger zum FC Bayern, 2002 spielte er erstmals in der Champions League.

Bis hierher ist es sozusagen die offizielle Antwort – die auch Bastian Schweinsteiger gibt, wann immer er nach seinem Bruder gefragt wird: ob vom Moderator im Bayerischen Fernsehen oder von einer Denise aus Schladen auf bastian-schweinsteiger.de. Es ist die Antwort, die keinem wehtut, weil sie Tobias Schweinsteiger nicht herabsetzt. Sie sagt ja nur: Er hat einfach zu viele Begabungen.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite, welchen Grund Tobias Schweinsteiger noch preisgibt, warum sein Bruder die große Karriere geschafft hat - und nicht er.)  

Das mit den vier Jahren Rückstand ist zwar wahr, aber nicht die ganze Wahrheit. Den Rest verpackt Tobias Schweinsteiger in einen kurzen Satz, ohne Ausflüchte: »Der Basti hat einfach mehr Talent.«
Ist das deprimierend? Tobias Schweinsteiger senkt den Blick kurz, dann hat er sein Lächeln wieder. »Nein«, sagt er, und lächelt weiter, »ich hab das ja schon immer gesehen. Schon in den Jugendmannschaften hat der alle niedergespielt. Der Basti hat immer bei den Größeren mitgespielt, damit er gefordert wurde.«

Nach dem ersten Spiel damals gegen den RC Lens spielt Basti immer öfter bei den ganz Großen mit, beim FC Bayern, er wird Stammspieler, wird Nationalspieler, wird berühmt, aus Basti wird Schweini und aus »Schweini« ein geschützter Markenname. Keiner, der gut klingt, aber einer, der sich auf Shirts, Mützen, Glücksbändern und anderem gut zu Geld machen lässt. Basti wird einer der wichtigsten Spieler des FC Bayern, und wenn es mal nicht läuft auf dem Platz, er wieder stehen bleibt und den Kopf sinken lässt, dann ist es immerhin Oliver Kahn, der ihm sagt: »Schweini, du darfst den Kopf nie hängen lassen, auch wenn du dich danach fühlst.«

Bruder Tobias kickt derweil bei Vereinen, die FC Falke Markt Schwaben, SSV Jahn Regensburg II und FC Ismaning heißen. 2004 schafft er es zum VfB Lübeck in die Dritte Liga, immerhin in den bezahlten Fußball. Dort versucht er, die verpassten Jahre aufzuholen. Er rückt näher. Näher an den großen Traum, die Bundesliga, und näher an den kleinen Bruder. Er weiß, dass er die Lücke zum Bruder nie wird schließen können, aber sie verkleinern, das kann er.

Fast nebenbei wird auch aus ihm ein Schweini, aber er, der Ältere, wird Schweini der Zweite: Schweini2; auf Shirts, Mützen, Schweißbänder und auch auf Glücksbänder lässt sein Vater den Schriftzug drucken und verkauft die Sachen im Internetshop. Die Auswahl auf schweini2.de ist nicht ganz so groß wie nebenan bei schweini1.de, aber ein eigener Fanshop ist ein eigener Fanshop. »Allerdings gehen die Sachen bei mir nicht ganz so gut wie beim Basti«, sagt Tobias Schweinsteiger und grinst.

Seine jeweiligen Vereinstrikots haben sich aber immer ganz ordentlich verkauft. Es sind ja Sammlerstücke: Wer hat schon ein Trikot von Lübeck oder Ismaning, auf dem »Schweinsteiger« steht? Im Sommer 2006 kommt die Fußball-WM nach Deutschland, und ein absurdes Medientheater um die beiden Jungnationalspieler Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger bricht aus, die beiden sind die eigentlichen Stars des Sommermärchens, Bastian Schweinsteiger bietet Angela Merkel das Du an, und mit ihr verliebt sich ganz Deutschland in den unbeschwert und sorglos aufspielenden Schweini.

»Ganz Deutschland ist im Schweini-Fieber«, schreibt die Bild-Zeitung. Tobias Schweinsteiger reist seinem Bruder als Fan hinterher und versäumt kaum ein Spiel. Dass Schweini auf einmal so groß wird, so überlebensgroß, macht es sogar leichter für ihn, sein Bruder ist jetzt zu weit weg, als dass er je einholbar wäre. Tobias Schweinsteiger steht mit nacktem Oberkörper, ein Trikot seines Bruders schwenkend, im Block der Spielerfrauen und brüllt seinen Bruder nach vorn. »Im Stadion war ich schon brutal stolz, das war einfach geil«, sagt er, und dass es komisch sei, aber er spüre keinen Neid, auch wenn sein Bruder lebt, wovon sie beide träumten.

Noch vor der WM unterschreibt er bei Eintracht Braunschweig. Zweite Bundesliga. Jetzt ist er ganz nah. Luca Toni spielte 2004 in der zweiten italienischen Liga, nur zwei Jahre später wurde er Weltmeister, und heute kennt ihn jedes Kind. Mitte August beginnt Tobias Schweinsteigers erste Zweitliga-Saison. Nur findet er nicht recht hinein in die Braunschweiger Mannschaft, in den ersten drei Spielen wird er nicht einmal eingewechselt.

Und dann, Mitte September 2006, ist das plötzlich nicht mehr wichtig.
Nach einem Vormittagstraining fährt er auf dem Heimweg mit seinem Audi A6 nach Hause, über den John-F.-Kennedy-Platz in Braunschweig, eine vierspurige Straße. Die Ampel ist grün, links neben der Straße stehen an einer Straßenbahn-haltestelle Kinder, die Schule ist gerade zu Ende. Tobias Schweinsteiger fährt auf der mittleren Spur, mit 50, wie vorgeschrieben, als hinter einem Transporter ein Mädchen, Stefanie, 13, auf die Straße läuft. Sie will auf die andere Straßenseite, wo ihre Freundinnen auf die Straßenbahn warten. Die Fußgängerampel zeigt Rot.
Das Mädchen taucht vor Tobias Schweinsteigers Wagen auf wie aus dem Nichts.

Er kann nicht mehr bremsen, er kann nicht ausweichen. Er sieht etwas Helles vor sich, reißt am Steuer und hört einen Knall. Er hält an und steigt aus, sieht das Mädchen daliegen. Weiß nicht, was er als Erstes tun soll. Wählt die 110. Sagt irgendwas wie: »Ich habe einen Unfall gehabt, ein Mädchen, es liegt da.« Dann läuft er zu Stefanie, wie in Trance. Sie bewegt sich nicht, aber sie atmet noch. Er versucht, Erste Hilfe zu leisten, und passt auf, dass niemand das Mädchen bewegt, bis wenig später der Notarzt da ist. Sanitäter heben das schwer verletzte Mädchen von der Straße und bringen es ins Krankenhaus. Am nächsten Abend stirbt Stefanie.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite über das Auf und Ab von Tobias Schweinsteigers Fußballer-Karriere.)

»Schweinis Bruder fuhr Kind (13) tot«, schreibt die Bild-Zeitung. Selbst in diesem Moment ist er vor allem der Bruder seines Bruders. In Tobias ist alles schwarz. Er trifft sich mit Stefanies Mutter, obwohl er Angst hat vor ihrer Reaktion, Angst, einem gebrochenen Menschen zu begegnen, Angst vor Vorwürfen. Aber sie will nur wissen, wie es genau passiert ist. Wo die Schäden am Auto waren.

Tobias merkt, wie das Reden ihnen beiden guttut. Er trifft auch Stefanies Vater, aber der sagt nicht viel. Der Notfallseelsorger, mit dem Tobias jeden Tag spricht, sagt, er solle wieder trainieren, den Alltag wieder einlassen. Und Tobias merkt: Das Fußballspielen hilft. Es lenkt ihn ab. Auf dem Platz denkt er nicht alle paar Minuten daran, wie das Mädchen plötzlich vor seinem Auto stand. Er denkt daran, Tore zu schießen.

Eine Woche nach dem Unfall ist Stefanies Beerdigung. Tobias Schweinsteiger sitzt auch in der Kirche, irgendwo weiter hinten. Er hält es fast nicht aus, die vielen Menschen zu sehen, die um das Mädchen weinen. Auf den Friedhof geht er nicht mit, er will nicht stören, und er kann auch nicht mehr.

Noch am Abend der Beerdigung bestreitet er sein erstes Zweitligaspiel. Alltag einlassen, wie der Seelsorger geraten hat, Ablenkung zulassen. Braunschweig gegen den Karlsruher SC. Er wird in der 75. Minute eingewechselt. Das Spiel endet 2:2. Zwei Wochen nach der Beerdigung spielt Eintracht Braunschweig gegen 1860 München. Tobias spielt zum ersten Mal von Anfang an in einer Zweitliga-Begegnung und fast 20 000 Menschen schauen zu. Braunschweig gewinnt 2:0. Tobias schießt beide Tore.

»Schweini II schießt Löwen ab«, schreibt Focus.de. Eine einzige starke Zweitligasaison kann die Tür zur Ersten Liga aufstoßen, einen Spaltbreit ist sie schon offen. Aber das Spiel gegen 1860 bleibt bis heute Tobias Schweinsteigers bester Auftritt in der Zweiten Liga, näher ist er seinem Bruder auf dem Fußballplatz nie wieder gekommen. 17 weitere Spiele und ein Tor folgen, meistens wird er nur eingewechselt, selten überzeugt er.
Am Ende der Saison, in der Eintracht Braunschweig nacheinander vier Trainer entlässt – Rekord im deutschen Profifußball –, steigt Eintracht Braunschweig ab in die Dritte Liga. In derselben Saison wird der FC Bayern München mit Bastian Schweinsteiger Vierter, und Deutschland spricht vom Krisenjahr des FC Bayern.

Im Sommer 2007 geht Tobias Schweinsteiger zurück zum VfB Lübeck, aber auch dort sind die Umstände kaum besser: Der Verein geht pleite. Im Januar 2008 wechselt er nach Unterhaching. »Schweini II stürmt zurück nach Bayern«, schreibt die Bild-Zeitung. In den Münchner Boulevardzeitungen liest er jetzt fast jeden Tag seinen Namen, und fast immer weiß er sofort, dass er nicht gemeint ist. Weil die Schlagzeilen so groß sind. »Wenn es um mich geht, steht der Artikel irgendwo rechts unten, in der Haching-Ecke«, sagt er und lächelt.

Die Prominenz des Bruders trennt auch ihre beiden Leben, nur einer hat berühmte Freunde, vier teure Autos, eine Wohnung in Schwabing, ein Model zur Freundin und so viel Geld, dass er nie wieder arbeiten müsste. Der andere kommt per Fahrgemeinschaft zum Training und weiß genau, wie oft er im Fernsehen interviewt wurde: einmal, im November 2008, im Bayerischen Fernsehen. Mit Basti, wegen Basti.

Gemeinsam haben sie eigentlich nur, dass sie mit Fußballspielen ihr Geld verdienen und ihre Freundinnen beide Sarah heißen. »Der Basti hat sein Leben und seine Freunde in München, ich eben in Rosenheim«, sagt Tobias Schweinsteiger. Seit er in Unterhaching spielt, sehen sie sich öfter, aber immer noch nicht oft, ab und zu gehen sie miteinander essen oder treffen sich in einem Café, und sie telefonieren fast jeden Tag. »Nach richtig guten Spielen ruf ich ihn an und sag ihm, dass er zumindest nicht der Allerblindeste in seiner Mannschaft war«, erzählt Tobias Schweinsteiger und grinst breit, der mitgebrachte Freund im Café lacht laut. Indirektes Lob muss reichen, und das tut es auch – der Basti weiß ja, wie der Tobi es meint.

Im Oktober 2008 ist Tobias Schweinsteiger einen Moment lang auf Augenhöhe mit seinem Bruder, ein mediales Flackern lang hat er ganz ohne dessen Zutun die bundesweite Aufmerksamkeit aller ARD-Sportschau-Zuschauer: Er ist mit einem Hackentricktor nominiert für das Tor der Woche, als einer von fünf Torschützen. Aber der Nationalspieler Piotr Trochowski gewinnt. Das Flackern erlischt.

Die erste Bundesliga wird für Tobias wohl unerreichbar bleiben, und doch wirkt er zufrieden. Wahrscheinlich wird er noch ein paar Jahre auf Drittliga-Niveau spielen, vielleicht auch noch einmal Zweite Bundesliga, das ist sein Ziel. Er hat Sportmanagement studiert und würde später gern einen Job haben, der mit Fußball zu tun hat. Wie so ziemlich jeder Profifußballer. Er kann sich wieder hinters Steuer setzen ohne Panik zu bekommen, dass ihm ein Kind vor die Füße läuft. »Aber an Stefanie denke ich immer noch jeden Tag.« Nicht mehr bei jeder Kreuzung.

Zwei Brüder, derselbe Traum. Zwei Geschichten.
Gegen Ende des Gesprächs entdeckt ein Bekannter Tobias Schweinsteiger im Hinterzimmer des Rosenheimer Cafés und schaut kurz rein, weil er ihm sagen will, dass er ihn und den Basti im Bayerischen Fernsehen gesehen hat. Und: »Super warst. Echt jetzt. Fast besser als der Basti.« Fast. Tobias lächelt. Er kennt das.

Fotos: Alexander Wasielewski und Jan Linartz

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