Die zehn verrücktesten Gesetze Amerikas

Bikinigröße, Flüstern in der Kirche, rutschende Hosen, Verzehr von Eiscreme – in den USA sind viele Dinge gesetzlich geregelt, von denen man es nicht vermuten würde.

Vorsicht! Wenn der Bikini zu knapp ist, kann die Trägerin in Satellite Beach/Florida verhaftet werden.

Ehrlich, ich versuche wirklich mein Bestes, nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Gesetzestreu zu leben ist aber in Amerika gar nicht so einfach. Denn die Gesetze unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat, ja, manchmal sogar von Gemeinde zu Gemeinde. Wer soll sich da auskennen?

Zum Beispiel hätte ich beinahe mein Krokodil auf die berühmte Mardi-Gras-Parade nach New Orleans mitgenommen. Glücklicherweise las ich mich vorher noch in die Verordnung Nummer 19.314, Paragraph 1 ein. Die schreibt ganz eindeutig vor, dass lebende Krokodile bei der Parade nicht erlaubt sind. Das Gesetz tritt jeweils zwei Stunden vor dem Beginn des Umzugs in Kraft. Auch mit meiner Boa Constrictor, meiner Eidechse oder einem anderen Reptil darf ich mich dem Umzug nur auf 183 Meter nähern. Aber die wichtigste Frage beantwortet die Verordnung nicht: Wo bekomme ich um diese Zeit für mein Krokodil einen Sitter her?

Mit Tieren macht man sich überhaupt schnell strafbar. Über die Staaten, in denen es legal ist, sich einen Tiger oder einen Löwen als Haustier zu halten, habe ich schon berichtet, aber möglicherweise ist es besser, sich von Tieren ganz fern zu halten. In Arizona ist es nämlich illegal, Kamele zu jagen. Wer hätte das gedacht? Aber im kalifornischen Arcadia haben Vögel Vorfahrt! Wenn ich dort einem Pfau begegne, muss ich ihm die Vorfahrt gewähren, sonst könnte er mich verklagen. Das muss einem doch erst mal jemand sagen! Bei meiner amerikanischen Fahrprüfung wurde diese Straßenvorschrift nicht einmal erwähnt. (Die gute Nachricht: Das Gesetz in Vermont, das es illegal machte, eine Giraffe an eine Telefonzelle zu binden, wurde inzwischen abgeschafft. Sie können also zwar in New Orleans nicht Ihr Krokodil, aber in Vermont immerhin Ihre Giraffe parken.)

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Eine weitere Quelle der Verwirrung ist der Alkohol, buchstäblich und juristisch. Während es in Deutschland völlig okay ist, auf dem Bürgersteig oder am Seeufer ein Bier zu trinken, ist das in Amerika fast überall verboten. Ja, man darf eine Flasche Bier nicht einmal unverpackt auf dem Rücksitz spazieren fahren. (Deshalb verpacken die Spirituosen-Läden jede Flasche Alkohol in braunes Packpapier. Mit dem braunen Flaschen-Kondom ist es plötzlich legal.) Das sind Überreste aus den Jahren der Prohibition, also des Alkoholverbots, das übrigens in Dutzenden von Gemeinden nie aufgehoben wurde. Das führt zu absurden Situationen wie in Lynchburg, Tennessee. Dort brennt zwar Jack Daniel's den weltberühmten Whiskey und auf der Terrasse der Distillerie darf man ihn auch kosten, aber kaufen kann man ihn in dem Städtchen nirgends, denn ausgerechnet Lynchburg, die Hochburg des Whiskeys, ist eine »trockene Gemeinde«, in der das Alkoholverbot immer noch gilt. Aber sich einen Joint anzustecken und zu rauchen, sogar in aller Öffentlichkeit und beim Autofahren, ist in vielen Staaten inzwischen erlaubt. Lieber Pot als Promille?

In Kennesaw, Georgia, ist es nicht nur erlaubt, sondern Vorschrift ist, eine funktionsfähige Waffe mit Munition im Haushalt zu haben, aber Kennesaw ist nicht die einzige Stadt, die seltsame Gesetze vorschreibt. Eines der wenigen deutschen Worte, das fast jeder Amerikaner kennt, ist »verboten«. Damit Sie sich in Amerika zurecht finden, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, hier die zehn wichtigsten Gesetze, mit denen Sie vermutlich nicht gerechnet haben:

1. In Marietta, Georgia, ist es illegal, aus einem Auto oder einem Bus auf die Straße zu spucken, aber es ist legal, aus einem Lastwagen zu spucken. Also: Wenn Sie spucken wollen, mieten Sie sich einen Truck! In Marietta ist es übrigens auch verboten, dass ein Huhn eine Straße überquert. Bitte bereiten Sie Ihr Huhn dementsprechend auf die örtlichen Gegebenheiten vor.

2. Beinahe hätte ich mir in Miami Beach in Florida ein wenig zusätzliches Kleingeld verdient, indem ich Orangen auf der Straße verkaufen wollte. Wenn mich dabei die Polizei erwischt, stehen darauf allerdings bis zu 30 Tage Gefängnis, laut Verordnung 1964, Paragprah 25-67.1, Absatz 70-76.

3. Egal, worin Sie sich zuhause wohlfühlen: Flüssiges Latex gilt in Satellite Beach, Florida, nicht als angemessene Kleidung! Auch Tattoos und Körperbemalung zählen leider nicht als züchtige Körperbedeckung. Insbesondere weibliche Besucher müssen eine Sonderregelung beachten: sie müssen mindestens ein Viertel ihrer Brust bedecken, sonst laufen sie Gefahr, als Exhibitionisten verurteilt zu werden. Der Strand ist überhaupt eine rechtlich problematische Zone. In vielen Staaten mag es legal sein, sich eine AK 47 zu kaufen, aber die Polizei kommt gerannt, wenn eine Frau am Strand ihr Bikini-Oberteil ablegt. Wenn Sie glauben, dass Sie sich also lieber in einer öffentlichen Toilette umziehen - tun Sie`s nicht, denn das ist unter anderem in Rehoboth Beach, Delaware, illegal. Im Auto darf man es auch nicht! Wo soll ich mich dann bitte umziehen?

4. Auch wenn Sie noch so müde sind von der langen Nacht im Casino: Sie dürfen sich in Reno, Nevada, nicht auf den Bürgersteig legen. Sonst werden Sie von den Sheriffs aufgelesen und in eine unbequeme Zelle umgebettet.

5. Wenn Sie in Rehoboth Beach, Delaware, (der Ort, an dem man sich nicht umziehen darf) in die Kirche gehen, dann flüstern Sie bitte nicht. Das ist nämlich verboten.

6. Sollten Sie in Oklahoma City auf eine Beerdigung geraten, merken Sie sich: Kippen Sie auf keinen Fall den Sarg um! Die Ruhe eines Toten zu stören kann Sie ins Gefängnis bringen.

7. Überhaupt, Höflichkeit ist eine Tugend: Wenn Sie in Mississippi in der Öffentlichkeit beim Fluchen erwischt werden, kostet Sie das 100 Dollar. In Michigan dagegen dürfen Sie zwar fluchen, aber nicht in Hörweite von Frauen und Kindern. Verdammter Mist, Leute, es ist echt kompliziert! Wenn wir schon beim Fluchen sind: Am besten machen Sie es wie die Amerikaner und zensieren sich selbst. Bleep, F@*#!, und S#*§!

8. Wenn Sie mit einem Teenager oder einem Rapper unterwegs sind, dann reisen Sie besser nicht nach Collinsville, Illinois. Dort ist es verboten, »saggy pants« zu tragen, also herabhängende Hosen.

9. Im Staat Washington ist es illegal, einen Automaten an einen Strom- oder Telefonpfosten zu binden. Überhaupt scheinen Automaten Bürgerrechte zu genießen: Wenn Sie in Derby, Kansas, an einen kaputten Automaten geraten, die Ihnen Ihr Wechselgeld nicht zurück gibt, haben Sie Pech gehabt: Auf die Maschine einzuschlagen oder zu treten, ist verboten.

10. Es gibt aber auch juristische Fortschritte: Im kalifornischen Carmel war es lange illegal, auf dem Bürgersteig ein Eis zu essen. Aber als Clint Eastwood (genau, der Filmstar) Bürgermeister wurde, hat er das Gesetz abgeschafft. Also: essen Sie so viel Eis, wie Sie wollen, wo Sie wollen, Vanille, Schokolade oder Himbeere, es ist alles erlaubt!

Überhaupt ist in Amerika vieles erlaubt, das in anderen Ländern verboten ist. Um die Highlights zusammen zu fassen: Sie dürfen sich bis an die Zähne bewaffnen, sich mit Cannabis die Birne vernebeln, und dann dürfen Sie sich mit Ihren Maschinengewehren und Ihren Joints hinter das Steuer setzen, in New Hampshire sogar ohne sich anzuschnallen. In dem schönen Bundesstaat, das knapp unterhalb der kanadischen Grenze hängt, gilt die Anschnallpflicht nämlich nicht. Allen Experten zum Trotz, die nachweisen, wie viele Menschenleben durch den Gurt im Auto gerettet werden, die Menschen in New Hampshire leben lieber nach dem offiziellen Staatsmotto: »Live Free or Die«.

Also: Freiheit oder Tod? Die Wahl überlasse ich Ihnen. Hauptsache, Sie machen sich nicht strafbar.

Foto: magdal3na/fotolia.de

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