Kloster Hornbach. Mein Leben ist in den vergangenen Monaten so durcheinander geraten wie ein Wühltisch im Winterschlussverkauf. Ich weiß nicht, ob ich mich für einen Job entscheiden soll, der viel Geld bringt, oder für einen, der mir alle Möglichkeiten bietet. Ich habe keine Ahnung, ob ich nach Hamburg ziehen oder in Berlin bleiben soll. Und die Frau, mit der ich mich in letzter Zeit viel zu oft treffe, sagt auch nicht einfach »Ja«, wenn ich sie frage, ob sie das Wochenende mit mir in einem schönen Hotel verbringen will. Sie fragt: »Möchtest du das denn gern?« Ich gebe zu: Das sind Luxussorgen – aber Sorgen sind nun mal so groß, wie der sie sieht, der sie hat. Also packe ich meine Probleme, ein paar CDs und die Frau in ein Auto und fahre ins Kloster, weil das ein Ort ist, der Klarheit verspricht. Das Kloster Hornbach ist ein Hotel am äußersten Ende der Pfalz. »Wir liegen im Land ohne Namen«, erklärt die Chefin, Christiane Lösch. Tatsächlich ist die Umgebung bäuerlich schön. Felder und kleine Orte liegen um Hornbach herum. Viel Grün und viel Fachwerk wechseln sich ab. Einen kurzen Fußmarsch braucht es nur nach Frankreich oder ins Saarland. Die nächste größere Attraktion zum Kloster-Hotel wäre die Stadt Strassburg, und die liegt eine Stunde weg. Ein idealer Ort also, um zu bleiben und zu denken, weil nichts anderes die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Betreiber haben das Kloster aus dem Jahr 742 modern umgebaut, hell, freundlich, liebevoll eingerichtet und, ja, auch gemütlich gemacht. Aber trotzdem weht noch etwas Sakrales durch den Kreuzgang, der zum Restaurant führt. Auch der Hausherr, Edelbert Lösch, hat etwas von einem Geistlichen, wenn er die Hände faltet, guten Aufenthalt wünscht – und ich muss an einen Freund denken, der Priester wurde und meine dumme Frage, woher er denn wissen will, dass es Gott überhaupt gibt, freundlich und gut beantwortete: »Weil ich es eben nicht weiß, heißt es Glauben.«Der Frieden, der mich an meinem Freund beeindruckte, ergreift mich im Kloster Hornbach. Meine Begleiterin schnuppert an den Kissen, in den Schränken und an Handtüchern, die alle von der Chefin mit speziellen Kräutern behandelt werden, damit es nicht riecht wie in jedem Hotel. Vor dem Schlafengehen stelle ich mein Handy aus, weil mir sein Klingeln hier vorkommen würde wie Marktgeschrei in der Kirche. Der nächste Tag vergeht mit Gesprächen, aber auch mit Schweigen, mit Sauna und Dampfbad und einem guten Abendessen, das weder durch sinnloses Geplauder noch durch unangenehmes Schweigen entweiht wird. Als ich dem Rauch meiner Zigarre nachschaue, wie er im Dachgebälk des Kreuzgangs verweht, habe ich immer noch keine Ahnung, was werden soll, aber ein Gefühl, was es sein könnte.Zum Abschied am nächsten Tag kaufen wir uns jeder noch eine Tafel Themenschokolade, die im Kloster angeboten wird. Ich nehme eine Tafel »Liebe«, meine Begleiterin die »Unschuld«.Wenige Tage nach meiner Rückkehr habe ich mir eine Wohnung in Berlin angesehen. Ich habe den Job mit dem Geld abgesagt und den anderen angenommen. Und auch die Frau habe ich gleich wieder angerufen, ohne so lange zu warten, wie es heißt, dass man warten soll. »Wie geht’s?«, habe ich sie gefragt. »Wie geht’s dir denn?«, hat sie zurückgefragt. Besser jetzt. Glaube ich. Kloster Hornbach, Im Klosterbezirk, 66500 Hornbach, Doppelzimmer für 149 Euro pro Nacht. Die Zimmer sind in unterschiedlichen Stilen eingerichtet. Telefon 06338/91010-0, www.klosterhornbach.de. Sinnvolle Schokolade: Unschuld!, weiß, oder Liebe, dunkel mit Zimt, 75 Gramm 5,70 Euro, 100 Gramm 7,50 Euro.

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