Mallorca

Angelika Taschen verrät ihr Lieblingshotel auf Mallorca: die Finca »Son Genér«.

»Mallorca? Bitte nicht! Ballermann und Bettenburgen brauche ich nun wirklich nicht!«, dachte ich, als mir ein Mann vor 15 Jahren ein Flugticket nach Mallorca schenkte. Geflogen sind wir dann doch – irgendwie habe ich es nicht übers Herz gebracht, Nein zu sagen – und bereut habe ich es bis heute nicht. Bei einer Tour über die Insel entdeckten wir per Zufall das Bergdorf Deià, wo Richard Branson damals gerade sein Luxushotel »La Residencia« eröffnet hatte – ein Traum. Aber viel wichtiger: Ich änderte meine Meinung über die Insel, ich wollte wiederkommen.

Obwohl Mallorca mittlerweile 22 Millionen Touristen jährlich zu verdauen hat, gibt es dort immer noch wunderschöne ruhige Fleckchen. Zu den lohnenswertesten zählt die historische Finca »Son Genér« zwischen Son Servera und dem hübschen Städtchen Artà im Osten der Insel.
»Son Genér«, früher eine Olivenöl-Manufaktur, liegt abseits der Straße auf einem Hügel, von dem aus man auf Olivenhaine, Mandelbäume und Getreidefelder blickt. Wie alle Fincas dort ist das Hotel aus dicken, honiggelben Natursteinen gebaut und hat Böden aus hellem Sandstein. Wegen der Hitze gibt es nur kleine Fenster. Im Inneren hat Architekt Toni Estevá alles weggelassen, was eine mallorquinische Finca normalerweise ausmacht: keine gedrechselten Stühle also, keine Strohblumen auf den Tischen, keine missratene Kunst von lokalen Aussteigern an den Wänden. Stattdessen ist die Atmosphäre im Hotel wie im dazugehörigen Spa fast klösterlich: keine Säuselmusik aus versteckten Lautsprechern, überall Nicht-Farben wie Beige, Creme und Sand, dazu Naturmaterialien wie Raffia, Leinen, Terrakotta und Holz. Die intensivste Farbe – einen müden Lavendelton – haben die Liegesofas auf der überdachten Terrasse. Dort weht immer ein Lüftchen, der ideale Ort, um bei eisgekühltem Rosé das Buch von George Sand über ihre Zeit mit Frédéric Chopin in Valldemossa zu lesen. Dass einige der nur zehn Zimmer über einen Kamin verfügen, ist für Wintergäste nicht nur romantisch, sondern auch nützlich, da die Nächte auf Mallorca bitterkalt werden können. Jedes der Zimmer verfügt über eine eigene große Terrasse, in den großen Vierpfosten-Betten aus Birnbaumholz schläft man himmlisch. Höchst empfehlenswert ist das Essen im »Son Genér«, die Küche basiert auf traditionell mallorquinischen Rezepten, die mit Obst und Gemüse aus dem hoteleigenen Garten zubereitet werden. Ich betone das, weil es mir in Spanien sonst fast nie schmeckt: zu fettig, zu viele Innereien und mit dieser Restepfanne namens Paella kann man mich jagen. Dagegen war ich schon immer ein Freund spanischer Rotweine wie Rioja Gran Reserva – und davon gibt es hier nur die besten Flaschen.

HOTEL Finca Son Genér, Ctra. vieja Son Servera-Artà, km.3, Son Servera, Tel. 0034/971 18 36 12, DZ ab 260 Euro, www.songener.com.

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