Wozu brauch ein Stadtmann eine Axt?

Wenn Männer männlich aussehen wollen, ist ihnen kein Accessoire zu lächerlich.

Warum sich so viele Männer seit geraumer Zeit wieder Vollbärte wachsen lassen, ist klar: Männlichkeit ist gerade in Mode, und ein Bart sieht männlich aus. Zumindest wenn es sich nicht um einen Zauselbart handelt, der ZZ-Top-haft am Kinn klebt und verdächtig danach aussieht, als beherberge er noch Teile des Mittagessens. Dazu kommt: Prinzipiell können Frauen alles, was Männer können, das meiste sogar besser – außer, sich einen gepflegten Bart wachsen lassen. Mit einem Vollbart sehen selbst die Sänger der Schmusepopgruppe Take That (immerhin drei von fünf) männlich aus. Nun ist allerdings besonders in Großstädten zu beobachten, dass es nicht nur immer mehr Bartmänner gibt, sondern dass viele dieser Männer schwere Stiefel und Holzfällerhemden tragen, dazu Jacken, die sich zur Waldarbeit bestens eignen. Die Männer haben aber Bürojobs.

Während gegen Bärte und schwere Schuhe wenig einzuwenden ist, sehen Holzfällerhemden immer wie Holzfällerhemden aus, also so, dass man sie nicht mal zum Holzfällen tragen würde. War nicht der einzige Mann, der sich je zum Holzfällen in ein Holzfällerhemd gewandete, ein Barde in einer sehr lustigen Nummer der britischen Komikergruppe Monty Python, der fröhlich singend bekannte, dass er drunter Strapse trug?

Sicherlich, drunter kann jeder tragen, was er will. Was das Drüber angeht, so soll das Holzfällerhemd die neue bärtige Männlichkeit noch betonen. Dem derart ausstaffierten Stadtmann fehlt nur noch eins: die Axt. In New York muss er zum Erwerb der Axt sein natürliches Habitat praktischerweise nicht mal verlassen. Er cruist mit seinem Allradwagen einfach so lange durch Manhattan, bis er im Stadtteil Tribeca vor einem Designstudio namens Best Made Company steht. Dort gibt es Äxte mit aufwendig bemalten Schäften, die Namen wie »Ketchum« oder »Meridian« tragen. Außerdem gibt es hübsche Axtboxen und schicke Rucksäcke zum Transport der Äxte. Einen Designer-Axtladen in der Innenstadt aufzumachen klingt nach einer eher dämlichen Geschäftsidee, aber der Laden läuft prima.

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Und da noch jeder Trend aus New York irgendwann auch in Europa umarmt wurde, kann es nicht mehr lange dauern, bis sich die Bartmänner auch in den Innenstädten von London oder Berlin in Axtläden mit Äxten ausstatten können. Allerdings wird die Axt in einem Shop wie der Best Made Company vom Werkzeug zum Accessoire. Sie ist die Pointe des Ensembles aus Bart, schweren Schuhen, Holzfällerhemd und Arbeiterjacke, und sie enttarnt es zugleich: als Verkleidung und mithin als ausgesprochen unmännlich.

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