So gut wie echt

Wenn einem in Berlin oder München ein altgedienter cameriere den Espresso serviert, schön mit prego und tutto a posto?, wird der Cafébesuch zum Kurzurlaub. Aber raten Sie mal, wo diese charmanten Italiener wirklich herkommen.


Karl Gschaider ist falscher Italiener aus Überzeugung: »Die Leute wollen auch ein bisschen Show.«

Karl Gschaider, 48, Café Ruffini

»In einem Restaurant muss was passieren. Ich finde, die Kellner sollten nicht nur das Essen bringen, sondern auch Spaß. Und die Italiener machen einfach die beste Show, da habe ich mir einiges abgeguckt. Eigentlich bin ich Österreicher und gelernter Konditor. Jahrelang habe ich erst im ›Schlosshotel am Wörthersee‹ und später im ›Weißen Rössl‹ Kuchen und Gebäck für die Gäste hergestellt. Ist eine schöne Aufgabe, nur leider ohne Publikum. Seit 1993 bin ich jetzt im ›Ruffini‹ im Service. Und zu meinem Glück: Unsere Gäste lieben mich in der Rolle des falschen Italieners.«

Ruffini
Orffstraße 22–24
80637 München

Ungetrübtes Verhältnis: Leonardo Abdallah ist Tunesier und bedient seit dreißig Jahren in italienischen Restaurants.

Leonardo Abdallah, 46, Restaurant Capone

»Ich bin seit dreißig Jahren Kellner – immer nur in italienischen Restaurants. Warum? Ich liebe Italien, seit ich dort mein Handwerk gelernt habe, 1984 an der Hotelschule. So ein ›Buona sera, Signora, come sta, buon appetito‹ macht doch gleich gute Laune. Im ›Capone‹ reden auch wir Kellner untereinander nur Italienisch. Das ist die Sprache, die wir alle perfekt beherrschen, obwohl wir aus vielen verschiedenen Ländern kommen. Ich bin Tunesier. Meine Kollegen witzeln immer, ich hieße wohl nicht wirklich Leonardo – aber dazu sage ich nichts. Betriebsgeheimnis.«

Capone
Kurfürstendamm 202
10719 Berlin


Was macht eine gut italienische Bar aus? Perfekt aufgeschäumte Milch, klar, aber vor allem das überschäumende Temperament der Mitarbeiter, sagt Andy Salger.

Andy Salger, 34, Bar Centrale

»Ich bin Autodidakt. Habe nie einen Italienischkurs besucht oder in Italien gelebt, ich bin Allgäuer. Ich schaue mir alles von meinen italienischen Kollegen ab. Die sind herzlich, locker und lebendig. Ein bisschen ›bella ragazza‹ und ›tutto a posto?‹ macht ja noch keinen italienischen Kellner. Dieses Flair entsteht ja erst dadurch, dass sich alle einbringen. Ich nenne es immer ›lauthals arbeiten‹: In der Küche wird geflucht, an der Bar wird geflachst und im Gastraum geflirtet. So entsteht diese Stimmung, die ich mag. Ich mache wie selbstverständlich mit.«

Bar Centrale
Ledererstraße 23
80331 München


›Volare, oh oh, cantare, oh oh oh oh‹

Immer ein »Volare, cantare« auf den Lippen: Peter Olas mag es, wenn er für einen Italiener gehalten wird.

Peter Olas, 36, Cucina Italiana Sarto e Sarto

»Ich bin eigentlich Slowake, aber weil es in meinem Heimatland kaum Jobs gab, bin ich nach Deutschland gegangen und in einem italienischen Restaurant gelandet. Und irgendwie passe ich hier ganz gut rein: Die Gäste halten mich ständig für einen Italiener. Vermutlich weil ich immer italienische Melodien pfeife. Am liebsten übrigens ›Volare, oh oh, cantare, oh oh oh oh‹. Im Herbst werde ich einen VHS-Kurs Italienisch belegen – damit ich den Gästen, die mich immer auf Italienisch ansprechen, auch mal ordentlich antworten kann.«

Sarto e Sarto
Hauptstr. 6
82402 Seeshaupt

»Ciao, bella« geht immer, sagt Aydin Aflani. Seit er italienischer Koch ist, nennt sich der Mazedonier Dino.

Aydin Aflani, 37, Restaurant Capone

»Meine Karriere als italienischer Koch begann, als ich zwanzig Jahre alt war. Ich bin eigentlich Mazedonier, aber in meiner Heimat habe ich nach der Schule kaum Geld verdient. Daher haben mich meine Eltern zu meinem Onkel nach Italien geschickt. Der hatte damals ein Restaurant in San Marino. In dessen Küche wurde ich ausgebildet – zum Koch und zum Italiener. Ich bekam von den Kollegen sogar einen italienischen Namen verpasst: Dino. Und allerhand Sprüche haben sie mir beigebracht. Mein Favorit bis heute ist der Klassiker: ›Ciao, bella‹.«

Capone
Kurfürstendamm 202
10719 Berlin

Fotos: Kania c/o brigitta-horvat.com, Bert Heinzlmeier, Bernd Auers

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