Halbjahrestreffen

Max Scharnigg über die seelische Belastung, seine Reifen wechseln zu lassen.

Zum Salz des Lebens gehört zweifellos das halbjährliche Reifenwechseln. Sucht man dafür eines der einschlägigen Etablissements am Rande der Stadt auf, gerät man als gesunder Mann schnell in Rechtfertigungsnöte. Denn in den Reifenwerkstätten arbeiten immer Typen von einem Kleinschrot-Kaliber, wie man es zuletzt auf dem Pausenhof erlebt hat. Sie machen schon beim Parken abschätzige Gesten, die wahlweise dem dargebotenen Pkw, den Rangierkünsten, der Reifenmarke oder dem Gesamtpaket gelten. Und sie können sich das nur erlauben, weil über all dem hier immer die unausgesprochene Frage steht: »Ey, Reifenwechseln, warum machste das nicht selbst? Biste dir zu fein, oder was?« Nie fühlt man sich verweichlichter als in der halben Stunde, in der man mit seiner blöden Bürotasche neben dem Kaffeeautomaten (»Außer Betrieb«) steht und untätig zusehen muss, wie echte Männer dem eigenen Auto die neuen Schuhe anziehen. Vielleicht nächstes Mal wenigstens mit Jeansjacke kommen?

Foto: Thomas Albdorf

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