Es kann nur einen Pep geben

Der Hardcore-Bayern-Fan Markus Kavka hat eine Erklärung für den großen Erfolg seines Lieblingsvereins: Es ist sein Glücksbringer, eine gestrickte Eule namens Pep, die bei keinem Fußballspiel fehlen darf.

Wer: Markus Kavka, Moderator, Autor, DJ
Was: Strickeule, ca. 10 Euro
Warum: Gutes Bauchgefühl

Ich bin jetzt seit über 40 Jahren Hardcore-Bayern München-Fan und seit 20 Jahren Mitglied. Beim Fußball bin ich irre abergläubisch. Ein Trikot zu jedem Bayern-Spiel zu tragen, ist sowieso Pflicht. Mein Lieblingsteil passt wunderbar zu dieser leichten Zwangsstörung. Es ist ein Glücksbringer. Eine Stoffeule namens Pep.

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Mein Frau Babette und ich haben so ein Eulen-Ding am Laufen. Wir finden, Eulen können coole Sachen und sehen cool aus – wie dieses Bild von der Baby-Schneeeule, die so unfassbar abgrundtief traurig schaut. Auf Facebook klatschen wir uns auch ständig gegenseitig diese Eulen-Emoticons in die Nachrichten, obwohl ich finde, Emoticons benutzen eigentlich nur Deppen.

Ich weiß noch genau, wann ich Pep bekommen habe. August 2014. Meine Frau grinste schon so, als das Paket kam. Ich öffnete den Karton und hob die Strickeule im Bayern München-Outfit raus. »Das ist das schönste Geschenk, das ich jemals bekommen habe«, hab ich sofort gesagt. Babette dachte, ich verarsche sie, es war nur als Spaßgeschenk gedacht. Aber das meinte ich im vollen Ernst! Als ich Pep in den Händen hielt, war klar, dass er so heißen muss. Ich würde ihn Pep Guardiola gerne mal zeigen und sagen: Schau mal, die Eule heißt nicht wie du, die heißt nach dir! Pep ist rot-weiß-gestreift, hat rot-weiß-blaue Pinsel an den Ohren und auf der Brust das FC Bayern-Wappen. Er hat blaue Augen mit roten Pupillen. Eulen schauen ja manchmal auch etwas irre. Und Pep sieht wie eines dieser Comic-Tiere aus, wenn sie durchdrehen, mit Spiralen in den Augen, als stünden sie unter Drogen. Und trotzdem strahlt er eine große Ruhe aus. Wenn Pep auf meinem Schoß sitzt und ich ihm besonnen den Bauch massiere, wirkt das unheimlich beruhigend. Früher saß ich bei Spielen mit knetenden Händchen auf dem Sofa oder bin so durchgedreht, dass schon ein paar nicht unwesentliche Teile meiner Wohnungseinrichtung dran glauben mussten. Jetzt liebkose ich Pep.

Pep ist eine reine Bayern-Eule, für ihn zählt nur der FCB. Die Nationalmannschaft ist ihm scheißegal. Ich schwöre, seit es Pep gibt, läuft es ganz wunderbar bei den Bayern. Das Rückspiel gegen Barcelona dieses Jahr in der Champions League zählt nicht, da habe ich ihn bestimmt zu hart rangenommen, da konnte er nach dem 0:3 im Hinspiel auch nichts mehr ausrichten. Er braucht einfach Pausen und muss mit seinen Kräften haushalten. Deshalb muss sein Bauch nur bei Nerv-Gegnern, kritischen K.O.-Spielen und im Stadion herhalten, weil ich da noch nervöser bin als sonst. Wenn ich im Dezember zum Auswärtsspiel bei Dinamo Zagreb fahre, muss ich Pep irgendwie verhüllen, vielleicht packe ich ihn in eine Tasche oder verstecke ihn unter meiner Jacke. Die kroatischen Fans sind so krass drauf, die zerfetzen mir Pep in der Luft.

Mein Chef-Glücksbringer ist aber immer noch Babette. Sie ist die erste Frau, die ich jemals aus einem Fußball-Stadion angerufen habe, so etwas habe ich vorher aus Prinzip nicht gemacht. Ich glaube, sie ist erleichtert, dass Pep ihr jetzt häufiger die enorme Last eines Glücksbringers von den Schultern nimmt. Glücksbringer bekommen ja auch den ganzen Frust ab, wenn es mies läuft. Vielleicht hat sie deshalb noch Wochen nach dem Pep-Einkauf online immer wieder nachgesehen, ob der Verkäufer noch mehr FCB-Eulen gestrickt hat. Es gab noch eine mit BVB-Trikot und eine von Werder Bremen. Aber es gibt nur einen Pep. Er ist ein Unikat. Kein Mensch braucht Berni den FCB-Bären. Pep fetzt. Meine Fußball-Freunde fanden Pep anfangs noch nicht so geil wie ich. Dass ich ein Plüschtier hatte, das noch dazu tollwütig aussieht. Mittlerweile finden sie ihn mega. Mein erster Facebook-Post mit Pep hatte über 1000 Likes. Wenn ich etwas zum Job poste, komme ich manchmal nicht mal auf 100. Viele Fans wollen jetzt unbedingt auch einen Pep haben – aber ich habe beschlossen, den Kontakt der Pep-Designerin nicht zu verraten. Vielleicht bringe ich die arme Frau gerade um Millionen, aber ich will eben, dass Pep einzigartig bleibt. Ein Stück weit bleibt Peps Auftauchen mysteriös. Ich habe viel darüber nachgedacht und meine einzig logische Erklärung ist: Wir sind füreinander bestimmt.

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