Devon Clifford

war mit seinen roten Haaren und dem Temperament das Feuer der Band You Say Party – We Say Die! Er wusste nicht, dass er eine Zeitbombe im Kopf trug.

Das letzte Lied im Leben des Schlagzeugers Devon Clifford heißt She’s Spoken For, er spielt es am 16. April im Rickshaw Theatre in Vancouver. Das Publikum tanzt, der Text geht so: »Nimm meinen Körper raus aus dieser Welt.« Mitten im Stück bricht Clifford hinter dem Schlagzeug zusammen, er kippt nach vorn auf seine Trommeln. Seine Band heißt You Say Party – We Say Die!

Ohne es zu wissen, hatte Devon von Geburt an eine Zeitbombe im Kopf, genannt Arteriovenöse Malformation, eine Arterie, die direkt ohne kleine Zwischengefäße mit einer Vene verbunden ist und somit jederzeit platzen konnte. An diesem Abend passiert es, Kurzschluss im Gefäßsystem, Hirnblutung. Die Sängerin Becky Ninkovic bittet das Publikum, einen Krankenwagen zu rufen. Clifford kommt noch einmal kurz zu sich, Ninkovic stützt seinen Kopf, er sagt: »Wo ist der Rest der Band?« Dann verliert er das Bewusstsein. Im Krankenhaus können die Ärzte nichts mehr für ihn tun. Zwei Tage später schreibt die Band auf ihrer Twitter-Seite im Internet: »Devon Clifford 1979–2010. Ruhe in Frieden.«

Clifford hat in Bands gespielt, seit er zwölf war, Dudelsack, Klavier, später Schlagzeug. Seine Eltern, Lehrer aus der Vorstadt von Vancouver, sagen: »Für viele Leute bleibt so ein Leben als Musiker ein Traum«, auch wenn das Geld mit der Band gerade so zum Leben reichte. You Say Party – We Say Die! waren keine Stars, eher Lieblinge einer Szene, die den Namen in YSPWSD! abkürzte. Clifford hatte eine Ausbildung zum Tontechniker, und wenn er mal zu Hause war, jobbte er in einem Obdachlosenheim. »Die Hirnblutung hätte ihn zu jeder Zeit treffen können, beim Autofahren oder im Supermarkt«, sagt die Sängerin Becky Ninkovic, »aber es hat ihn auf der Bühne erwischt, bei dem, was er am meisten liebte.«

Dass die Band sich nicht aufgelöst hat, liegt auch an Cliffords Eltern, sie wollten unbedingt, dass die Musiker weitermachen, ein bisschen geht der Traum ihres Sohnes dadurch weiter. Gerade jetzt, mit der neuen Platte, die endlich wieder eine Tournee nach Europa möglich macht. Seit Cliffords Tod hat die Sängerin jeden Tag ein Streichholz angezündet und dabei an den Schlagzeuger gedacht, ein Trauerritual, das sie von ihrer Großmutter gelernt hat. »Devon war mit seinen roten Haaren und seinem unglaublichen Temperament so etwas wie das Feuer der Gruppe«, sagt sie vor dem Konzert ihrer Band im Münchner »Atomic Café« im November. Sie haben jetzt einen neuen Schlagzeuger, er war seit Kindertagen mit Devon Clifford befreundet. Es ist nicht die einzige Veränderung. Die Band heißt nur noch You Say Party! Devon Cliffords letztes Lied She’s Spoken For wollen sie nie wieder spielen.

Foto: Snowhite