Brust oder Keule

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Marcel Gräfenstein, der in den Iran gereist ist, um die Männer in den traditionellen "Häusern der Stärke" zu fotografieren.

Name: Marcel Gräfenstein
Geboren: 05. November 1967
Ausbildung: Diplom-Kaufmann
Kontakt: mgraef77@aol.com
Ihre Fotos zeigen iranische Athleten beim Krafttraining in "Zurkhanehs", Häusern der Stärke. Das wirkt alles recht altmodisch.
In den Zurkhanehs wurden früher junge Männer ausgebildet, meistens Soldaten. Auch heute trainieren sie dort noch wie vor knapp 1500 Jahren. Darum wirkt es wie eine kleine Zeitreise. Die Holzkeulen wurden in dieser Form schon damals benutzt und der Trainingsraum an sich blieb ebenfalls unverändert. Beim Eintreten muss man an der niedrig angesetzten Tür den Kopf einziehen, um dem Meister Respekt zu erweisen - wie früher.

Der Meister, das ist der Trommler. Welche Funktion hat er?
Er sitzt auf seinem Podest und gibt den Rhythmus vor, er ist ein Vorbild für die Athleten und muss die wichtigsten persischen Gedichte auswendig können. Die Männer stellen sich in die achteckige Übungsarena, sie ist knapp einen Meter tief in den Boden eingelassen, und beginnen die Keulen zu schwingen, zum Takt des Flöten- und Trommelspiels oder aber zu Auszügen aus dem persischen Königsbuch. Seit der Revolution von 1979 werden auch Koranverse rezitiert.

Die Trainingsgeräte sehen ziemlich schwer aus. Haben Sie versucht mitzutrainieren?
Ich habe mal die leichteste Keule in die Hand genommen, die wiegt knapp zehn Kilogramm. Die kettenbehangenen Metallbögen und Holzschilde sind noch schwerer. Die Männer aber schwingen diese Keulen problemlos, mal seitlich am Körper und mal über ihrem Kopf. Und zwar eine Keule pro Hand. Das ist wahnsinnig schwer und kräftezehrend.

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Warum hängen so viele Fotos an den Wänden?
Die Fotos sind von früheren Meistern und teilweise über hundert Jahre alt. Einer von diesen Meistern hat sogar eine olympische Goldmedaille im Ringen gewonnen. Diese Athleten werden traditionell verehrt, wie die Fußballer in Europa.

War es schwer, Einlass in diese Häuser zu bekommen?
Überhaupt nicht. Ich war zehn Tage im Iran und da ich selbst kein Farsi spreche, habe ich mir einen lokalen Führer gesucht, der für mich übersetzt hat, dass ich schon in Deutschland von den Häusern gehört hatte und die Männer unbedingt sehen und fotografieren wollte. Sie waren sehr gastfreundlich und haben sich gefreut, dass ich mir vor Ort ein Bild mache. Am Anfang waren sie zwar verhaltener, aber nach dem Training haben sie freiwillig ihre Trikots ausgezogen, um mit freiem Oberkörper zu posieren. Eigentlich dürfen sie das nicht mehr seit der Revolution, aber diese Tradition lassen sie sich nicht nehmen.

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