Flocke für Flocke

Luke Stephenson hatte die großartig verrückte Idee, alle Cornflakes aus einer Packung zu fotografieren. Das Ergebnis: Cornflakes, die wie Gesichter oder Hunde aussehen - und viel, viel mehr Arbeit, als er dachte. Im Interview erzählt er, warum Kunst lustig sein darf und Mühe machen muss. Und wie viele Cornflakes in einer Packung sind, verrät er auch.

Name: Luke Stephenson 
Geburtsdatum: 01.01.1983 
Ausbildung: angeschlossenes Fotografiestudium an der Universität von Darlington 
Website: www.lukestephenson.com

SZ-Magazin: Herr Stephenson, bei welchem Frühstück sind Sie auf die Idee zu dieser Fotostrecke gekommen?
Luke Stephenson:
 Die Idee hatte ich etwa im Jahr 2006 - und ja, beim Frühstück. Ich habe auf meinen Teller gesehen und mir gedacht: wirklich jedes Cornflake sieht anders aus. So entstand die Idee, sie einzeln zu fotografieren – und gleich auch die Frage, wie viele wohl in einer Box drin sind.

Haben Sie noch am selben Tag angefangen, zu zählen und fotografieren?
Nein, erst 2011. Davor lag die Idee einige Jahre in meinem Laptop. Ich habe mir also eine Cornflakespackung gekauft, die richtige Linse für die Kamera gewählt und einen schwarzen Hintergrund. Ich dachte, in einer Packung sind vielleicht 2000 Cornflakes - aber recht schnell war klar, das sind viel, viel mehr. Ich bin etwas erschrocken, als klar wurde, wie viel Arbeit es machen wird, die alle zu fotografieren. Ich habe eine ganze Woche von morgens bis abends nichts anderes gemacht. Es waren 7122 Cornflakes, kleine Brösel nicht mitgerechnet.

Wird einem da langweilig?  
Die ersten paar waren langweilig, man sitzt ja still im dunklem Raum, legt ein Cornflake unter die Kamera, dann das nächste und das nächste und das nächste. Aber dann habe ich plötzlich Strukturen und Formen in den Cornflakes entdeckt - wie wenn man Wolken lange ansieht, oder vielleicht auch wie in einem LSD-Rausch. Ich habe kleine Gesichter gesehen, Hunde, Asteroiden, alles mögliche.

Hatten Sie irgendwann zwischen dem zwei- und fünftausendsten Cornflake mal Lust, alles hinzuwerfen?
Am fünften Tag bin ich krank geworden, aber ich wusste, ich muss das jetzt durchziehen. Die Mühe gehört für mich zur künstlerischen Gesamtleistung dazu: Wenn man nicht nur eine Idee hat, sondern auch echte Arbeit hineinsteckt, wertet es für mich das Werk zusätzlich auf. In einer anderen Fotostrecke habe ich Eiscremestände fotografiert, wo man die so genannten »99 Flake« kaufen kann, Softeis mit einem Schokoriegel drin für 99 Pence. Das ist eine britische Tradition wie Fish & Chips. Da hatte ich die Idee, an 99 Plätzen im ganzen Land diese Eisverkäufer zu fotografieren - auch da sollte die Arbeit bewusst mühsam und anstrengend sein.

Lohnt sich das dann finanziell noch? 
Die Eiscreme-Reihe ist als Buch erschienen, das sich ganz okay verkauft. Damit kann man dann auch mal ein anderes Projekt mitfinanzieren.

Mögen Sie Cornflakes noch?
Als ich fertig war, habe ich die Bilder einige Monate unangefasst liegen lassen. Ich habe mich geärgert, dass ich eine ganze Woche dafür verschwendet habe, ich war es leid, die Cornflakes anzusehen.

Als ich Ihre Bilder sah, habe ich zuerst gelacht – und danach erst habe ich die Schönheit der einzelnen Bilder bemerkt. Die Idee ist schön und absurd zugleich, kann man das so sagen?
Ja, ich versuche, mich nicht zu ernst zu nehmen. Wenn jemand drüber lacht, ist das eine gute Sache, das schmälert die Kunst überhaupt nicht.

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