Wie schützen Sie sich?

Die Performance-Künstlerin Marina Abramović im Interview ohne Worte über Corona, Sex, Maria Callas, das alte Jugoslawien und die Frage, wie man Menschen zum Weinen bringt.

Geboren: 30. November 1946 in Belgrad
Beruf: Performance-Künstlerin 
Ausbildung: Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Belgrad 
Status: Tränen lügen nicht

Während Marina Abramović ihre Oper 7 Deaths of Maria Callas in München probte, kam das Virus über uns. Die Premiere war für den 11. April geplant, einen neuen Termin gibt es noch nicht. Und Abramović, die in New York lebt, saß in München fest. Sie stammt aus Serbien, als Heimat betrachtet sie aber Jugoslawien, ein Land, das nicht mehr existiert. Vielleicht rührt daher ihr Freigeist. Für Abramović ist alles Private Kunst. In Zeiten schlimmsten Liebeskummers, so erklärt Abramović ihre Oper, erinnerte sie sich daran, dass Maria Callas an gebrochenem Herzen starb und als Sängerin ebendiese Todesart so oft auf der Bühne darstellen musste. Eine große Liebe Abramovićs war der deutsche Künstler Frank Uwe Laysiepen, genannt Ulay. Zusammen zogen sie durch die Welt, inszenierten Performances über Liebe, Abhängigkeit, Vertrauen, Verletzungen. 1988 wanderten sie aus entgegengesetzten Richtungen auf der Chinesischen Mauer aufeinander zu, um sich, nach je 2500 Kilometern, als Paar zu trennen. In ihrer berühmtesten Performance, 2010 im Museum of Modern Art in New York, saß Abramović über zweieinhalb Monate hinweg täglich stundenlang ohne sich zu rühren auf einem Stuhl und empfing Besucher, viele fingen zu weinen an. Eines Tages kam Ulay. Da weinte Abramović. Ulay starb im März 2020.