Sagen Sie jetzt nichts, Tomi Ungerer

Illustrator und Schriftsteller Tomi Ungerer über Vernissagen, das Erwachsensein und perverse Subversion.

    Geboren 28. November 1931 in Straßburg
    Beruf Illustrator und Schriftsteller
    Ausbildung Oberschule für Jungen
    Status Hirn, Charme und Methode

    »Ein Liter«, das sagte der junge Tomi Ungerer in den Vierzigerjahren ständig, wenn er im Elsass Menschen auf der Straße grüßte, und umging so den vorgeschriebenen Hitlergruß. Siebzig Jahre danach ist er immer noch so: renitent, listig, komisch, intelligent. Ungerers Kindheit ist geprägt von Krieg und Besatzung, im Erdgeschoss seines Elternhauses wohnte ein Wehrmachtsoffizier. Kein Wunder, dass er irgendwann abhaute, um das Glück zu suchen. Kurz war er bei der Fremdenlegion in Algerien, 1956 kam er nach New York, in der Tasche ein paar Zeichnungen und 60 Dollar. In den USA wurde Ungerer zu einem der erfolgreichsten Kinderbuchautoren und -zeichnern weltweit. Er rutschte in die Ostküstenschickeria, was ihn nicht davon abhielt, sich dauernd über deren Oberflächlichkeit lustig zu machen; später lebte er auf St. Pauli mit Prostituierten und Zuhältern. Ungerer ist das, was so viele gern wären – individuell. Auf der ganzen Welt lesen Kinder seinen Mondmann oder Die drei Räuber – insgesamt veröffentlichte er mehr als 140 Bücher. Das Kunsthaus Zürich zeigt bis Februar unveröffentlichte Arbeiten von Ungerer, ab dem 18. März ist die Ausstellung im Essener Folkwang-Museum zu sehen. Ungerers Aphorismenband Besser nie als spät ist gerade erschienen.

    Fotos: Dan Cermak

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