Hollywood hat geschlossen

Weibliche Stars wie Margot Robbie und Saoirse Ronan zeigen auf dem Roten Teppich derzeit kaum Haut. »Modest Fashion«, also zurückhaltende Mode, ist ein Riesentrend – die Bewegung geht auf gläubige Frauen zurück. Ist plakative Sexyness vorbei?

Walle Walle, manche Strecke: Olga Kurylenko, Saoirse Ronan und Margot Robbie in Kleidern, die keine Haut entblößen.

Fotos: Getty Images

Am Montag feierte in London der Historienfilm Maria Stuart, Königin von Schottland Europapremiere. Auf dem roten Teppich erschien Hauptdarstellerin Saoirse Ronan– thematisch passend – in einem langärmeligen, hochgeschlossenenn Kleid mit Rüschensaum. Dass es sich um mehr als Mottodressing in Anlehnung an das Elisabethanische Zeitalter handelt, beweist ein Blick auf die sonstigen Promi-Outfits des Tages: Ronans Filmkollegin Margot Robbie etwa trug auf dem Weg zum BBC-Radiointerview ein ähnlich geschnittenes Kleid mit Blumenmuster, in Paris zeigte sich Olga Kurylenko abends bei einer Filmpremiere mit einer im Batikprint gehaltenen Version des bodenlangen Wallekleids.

In der Hochphase von Instagram-Stories und Live-Übertragungen, in der es von Prominenten nahezu erwartet wird, permanent Teile des eigenen Privatlebens mit der halben Welt zu teilen, haben diese offenbar Lust, wieder mehr von sich zu verstecken – zumindest optisch. Doch das Übermaß an fließendem Stoff ist noch mehr als ein Schutzschild für das letzte bisschen Privatsphäre: Es verhindert auch einen allzu plumpen Fokus auf weibliche Körpermerkmale.

»Modest Fashion« heißt diese Bewegung, was sich etwa mit »zurückhaltende Mode« übersetzen lässt. Ursprünglich ein Überbegriff für Bekleidung, die den Ansprüchen verschiedener Religionen entspricht, also Arme und Beine zu bedecken oder blickdicht zu sein, bezeichnet er inzwischen ein globales Modephänomen. Entstanden ist der Trend durch schiere Nachfrage: Eine junge Generation größtenteils muslimischer Frauen forderte eine Art von Mode ein, die stilistisch anspruchsvoll ist und gleichzeitig die religiösen Vorschriften wahrt. Nun scheint die »modest fashion« auch für Frauen ohne kulturelle Bekleidungseinschränkungen attraktiv. Ein riesiger Markt ist entstanden.

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Etliche Marken sind daraus hervorgegangen, etwa das New Yorker Label Batsheva, gegründet von einer Anwältin auf der Suche nach passender Kleidung, um ihren Mann zu jüdisch-orthodoxen Feierlichkeiten zu begleiten. Andere, wie The Vampire’s Wife, die höchst erfolgreiche Modelinie von Susie Cave (Ehefrau des Musikers Nick Cave), bedienen den Stil eher zufällig. Auf der Luxusmode-Plattform Net-a-porter lässt sich das Sortiment mittlerweile nach »modest« filtern und der neuere Onlineshop »The Modist« bietet ausschließlich Mode, die zu einem »bedeckteren« Kleidungsstil passen – aber keine Abstriche in puncto Stil macht. Im Sortiment: Designer von Haider Ackermann oder Erdem bis Marc Jacobs.

Scheint, als sei die Zeit von allzu plakativer Sexiness in der Mode vorbei – zumindest in einigen Kreisen. Tatsächlich lösen ja die immer gleichen Interpretationen des »naked dress« an Wiederholungstäterinnen wie Jennifer Lopez, Kim Kardashian oder Halbschwester Kendall Jenner oft nur noch ein Gähnen aus. Bei den frostigen Temperaturen ist so ein langärmeliges Wallekleid ohnehin die angenehmere Wahl für die Weihnachtsfeier.

Wird getragen von: Mode-Intellektuellen wie Tilda Swinton oder Erin O’Connor, »The Crown«-Schauspielerinnen, Aschenbrödel
Wird getragen mit: Halskrause, britischem Akzent, blauem Blut
Der Song dazu: Bohemian Rhapsody

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