»Sido kann ich bis heute auswendig«

Der Schauspieler Daniel Donskoy verrät, mit welchen Songs ihm schwere Entscheidungen gelingen, wie er seine russisch-jüdischen Wurzeln spürt und welche Musik ihn zurück in seine Berliner Schulzeit versetzt.

    Foto: Eran Levi

    #1 »Archangel« von Burial

    Dieser Song ist für mich der Soundtrack einer meiner engsten Freundschaften, als ich von 2008 bis 2011 in Berlin lebte. Leider ging diese Freundschaft zu Bruch. Wir haben damals alle einfach zu viel gefeiert. »Archangel« von Burial hörte ich zum ersten Mal in der Panorama Bar im Berghain, er lief dann drei Jahre lang in Dauerschleife.

    #2 »Conscious of My Conscience« von Womack & Womack

    In letzter Zeit schreibe ich selbst wieder viel Musik. Natürlich lässt man sich da gern von seinen Lieblingskünstlern inspirieren. »Conscious of My Conscience« ist für mich einer der am besten getexteten Songs überhaupt: »I wanna discover my deepest destiny undercover«. Jedes Mal, wenn ich schwere Entscheidungen treffen muss, höre ich diesen Song. Ich glaube tatsächlich, dass man auf die meisten Fragen eine Antwort findet, wenn man es schafft, wirklich in sich hinein zu hören.

    #3 »Jah is One« von Mosh Ben-Ari

    Mosh Ben-Ari ist einer meiner israelischen Lieblingskünstler, bei ihm trifft Reggae auf Middle East. »Jah is One« ist ein Song über das Vergessen unserer Unterschiede. Mosh singt: »Wir Menschen sind süchtig nach der Illusion, dass wir so verschieden sind. Lasst uns, auch wenn es nur für einen Augenblick ist, Brüder sein.« Dem kann ich nichts hinzufügen.

    #4 »Wrong Crowd (1st East Street Piano Tapes)« von Tom Odell

    Ich bin ein großer Tom-Odell-Fan. Seine Stimme ist polarisierend und berührt mich immer wieder. Es geht mitten ins Herz. Vor allem das »Wrong Crowd«-Album Akustik-Piano-Version. Wenn ich schlecht drauf bin, muss ich das einmal anhören - ein bisschen Weltschmerz spüren und weiter geht's.

    #5 »Dorogoi dlinnoyu« von Alexander Vertinsky

    Meine russische Identität ist nicht sehr ausgeprägt, aber ich spüre diese Wurzeln immer wieder durch die Musik. Es kommt ein russisches Lied und plötzlich habe ich Gänsehaut. »Dorogoi dlinnoyu« war früher das Lied der russischen Emigranten in Frankreich, wo Alexanders Vertinsky es auch zum ersten Mal hörte. »Dorogoi dlinnoyu« heißt übersetzt »ein langer Weg«, und so symbolisierte diese Textzeile damals die Distanz zu Russland. Es ist die Grundlage für den später so berühmten Song »Those were the Days my Friend«. 

    #6 »Min Nhar Li Mshti« von Idan Raichel

    Das ist echt ein emotionaler Klopper vom Idan Raichel Project. Das Idan Raichel Project ist eines der geilsten Musikprojekte Israels mit der Besonderheit, dass Idan Raichel immer wieder die große Bandbreite an Kulturen in Israel verbindet. Mit Liedern auf Hebräisch, Amhari, Arabisch oder Portugiesisch versucht er, ein kulturelles wie gesellschaftliches Zeichen zu setzen. »Min Nhar Li Mshti« heißt auf Arabisch: »Seit dem Tag, an dem du mich verlassen hast« und handelt von dem Vermissen seiner Mutter.

    #7 »Mein Block« von Sido

    Meine Berlin-Hymne! Eine ganze Schulklasse rappt »Mein Block« im Kunstunterricht. Das waren Zeiten. Ich kann es natürlich bis heute auswendig und das halbe »Ansage Nummer 2 Album« von Aggro Berlin auch. Zeiten verändern sich, Geschmäcker auch, aber die wunderschönen Erinnerungen bleiben. Meine Stadt, Mein Bezirk, Mein Viertel, Meine Gegend, Mein Zuhause, Mein Block – Amen. 

    Daniel Donskoy ist am 21. Mai 2018 im Dresdner Tatort »Wer jetzt allein ist« in der ARD zu sehen.

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