»Es hat sich angefühlt, als würde ich fliegen«

Der Schauspieler Friedrich Mücke erzählt, welcher Song auf seinem Walkman in Dauerschleife lief und welche Band ihm den Soundtrack für durchzechte Nächte in Prag lieferte.

Foto: Anne Wilk

#1 »Professional Jealousy« von Van Morrison

Diesen Song hat mein Vater früher immer auf seinem alten Tape-Deck gespielt, während er im Arbeitszimmer war. Er war Bühnenbildner und Maler und wenn er Aquarelle gemalt hat, lief häufig dieses Lied. Ich schätze, weil es des erste auf dem Album war. Ich war damals um die zehn Jahre alt und spielte nebenan im Kinderzimmer und hörte mit. Den Song fand ich als Junge schon ziemlich gut. Heute erinnert er mich vor allem an meine Kindheit und an meinen Vater, der mir besonders wichtig ist.

#2 »Never Let Her Slip Away« von Undercover

Auf meiner ersten eigenen Musikkassette war dieses Lied. Wenn ich den Song heute höre, muss ich daran denken, wie ich mit kurzen Hosen, Strümpfen, Kinderturnschuhen und Walkman durch meinen damaligen Bezirk in Berlin Schöneweide zum Fußballplatz gelaufen bin. Ich konnte mich im Musikshop zu der Zeit zwischen Nirvana und Undercover entscheiden. »Never let her Slip Away« ist Popmusik pur, total glatt und überhaupt nicht grungig oder politisch. Das was damals schon mehr meine Musikrichtung und mir die 26 Mark wert. Ich hatte lange nur die eine Kassette und habe sie rauf und runter gehört.

#3 »Then You Turn Away« von Orchestral Manoeuvres In The Dark

Mit diesem Song verbinde ich Sommerurlaub auf Rügen. Meine Mutter, Schwester, Cousine und ich sind in meinen Teenagerjahren immer in den gleichen kleinen Bungalow nach Lobbe gereist. Oft sind wir in den nächsten Ort gefahren, nach Göhren, weil dort der schönere Strand war. Auf der Fahrt dorthin haben wir jedes Mal die Kassette von OMD, also Orchestral Manoeuvres In The Dark, gehört. »Then you turn away« war Lied Nummer drei. Wir waren immer ungefähr gleich schnell unterwegs, deshalb kam der Song stets an der selben Stelle auf dem Weg. So ist mir erst aufgefallen, wie schön die Landschaft dort ist. Wenn heute einer von uns OMD anmacht, kommt immer die selbe Reaktion: »Ooooh, weiß du noch damals?«

#4 »In The Orchard« von Tiger Army

Um die Jahrtausendwende war ich drei Silvester in Folge mit zwei Freunden in Prag und »In The Orchard« war unser Soundtrack dazu. Die CD haben wir in einem Musikladen mitten in der Stadt gekauft und sind dann mit dem Discman durch die Straßen gezogen. Wir hatten keine mobile Musikbox und haben uns deshalb einfach die Kopfhörer geteilt und abwechselnd gehört. So gingen wir nachts durch Prag, hörten Tiger Army und sahen, wie überall gefeiert wurde. Eine total bleibende Erinnerung, das würde ich gerne mal wieder machen.

#5 »Not Gonna Get Us« von t.A.T.u.

Dieser Song ruft mir ein starkes Erfolgserlebnis ins Gedächtnis. Ich habe ihn nämlich an dem Tag gehört, als ich meine Prüfung an der Schauspielschule bestanden hatte. Auf dem Nachhauseweg kam dieses Lied auf meinem Discman, eigentlich zufällig. Ich war so voller Freude, dass ich die Prüfung geschafft hatte, dass ich einfach anfing loszurennen und in die Luft zu springen. Das Lied hat eh so einen treibenden Beat, das hat total gepasst. Es hat sich angefühlt, als würde ich fliegen.

#6 »It’s Too Late« von The Streets

Als ich diesen Song zum ersten Mal gehört habe, war ich echt beeindruckt, wie anders er klang. Ich kam da gerade aus dem Proberaum meiner Band, hatte vier Stunden Musiksession hinter mir und setzte mich ins Auto. »It’s too late« war eine totale Offenbarung, ich hatte so etwas noch nie gehört und habe seitdem auch nichts vergleichbares gefunden. Am nächsten Tag habe ich mir sofort das Album gekauft und es ist bis heute eines meiner liebsten.

#7 »Yesterday« von The Beatles

Mit sieben oder acht Jahren haben mir meine Cousins das erste Mal die Beatles gezeigt und ich fand sie damals schon toll. Neulich habe ich ihre Musik mal ganz anders interpretiert gehört, und zwar von dem Jazzkünstler Jamison Ross. Ich war in einem Jazzclub in München und er hat »Yesterday« als letzten Song gecovert. Er begann damit vor 0 Uhr und endete praktisch im neuen Tag mit der Zeile »I believe in yesterday«. Das fand ich eine super Idee. Der Auftritt hat mir richtig Lust gemacht, das Original mal wieder zu hören. Ich hatte den Song schon ein bisschen vergessen, aber seit diesem Erlebnis läuft er wieder öfter bei mir.

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