Ist die Bundeswehr ironisch?

Wenn Soldaten sich etwas auf die Helme schreiben, geht es meist martialisch zu. Außer bei Plüschi.

Nehmen wir »BUM BUM«. Diese Helmaufschrift wirft keine Fragen auf, sie spricht für sich. In ziemlicher Bündigkeit fasst sie den kriegerischen Alltag zusammen. »BIG ANGELS« kommt ein wenig rätselhafter daher: Es könnte sich um große Schutzengel handeln, auf deren Hilfe der Soldat hofft. Das ENG in »BIG ENG« könnte eine Abkürzung für Engelbert sein oder wiederum die Engel meinen. Aber wer zum Teufel ist »PLÜSCHI«?

Wir befinden uns in Iman Sahib, Afghanistan, nördlich von Kunduz. Wir sehen ein Fallschirmbataillon der Bundeswehr, und der vierte Mann hat sich »PLÜSCHI« auf den Helm geschrieben. Zivilisten ist vieles am Soldatenwesen rätselhaft. Die Sache mit den Helmaufschriften ist immerhin einigermaßen verständlich, solange sich ihnen eine Bedeutung zuordnen lässt. Als Bürger ohne Uniform stellt man sich vor, dass die Soldaten eher Martialisches auf ihre Helme schreiben, Botschaften wie: »Kill ya all«, vielleicht auch »Ich pisse Napalm«. Aber Plüschi?

Gesetzt den Fall, durch eine Verkettung äußerst unglücklicher Umstände hätte man sich tatsächlich in jüngeren Jahren den Spitznamen Plüschi eingefangen. Täte man nicht alles, um ihn wieder loszuwerden? Und wenn das nicht gelänge, weil die Kameraden belieben, an diesem Spitznamen festzuhalten, schriebe man ihn dann auf den Helm?

In der Casting-Show Deutschland sucht den Superstar trat Anfang des Jahres ein junger Mann auf, der bisweilen seinen Text vergaß, einen Scheinwerfer umrannte, und dem vom Juror Dieter Bohlen bescheinigt wurde, er habe »ausgesehen wie eine Salzstange in der Lümmeltüte«. Dieser Mann hieß Marcel Pluschke und wurde bekannt als Plüschi, der »süße Softie der siebten Staffel von DSDS«.

Plüschi ist ein netter, ein harmloser Kerl, der der Casting-Hölle ohne größeren Schaden entronnen ist, aber das macht ihn wohl nicht zum Vorbild für Soldaten im Krieg. Plüschi ist das Anti-Vorbild, was bedeuten könnte, dass der Soldat mit dem Plüschi-Helm von den Kameraden gehänselt wird und den Namen gegen seinen Willen zur Schau tragen muss. Dafür könnte sprechen, dass offensichtlich außer »BIG ANGELS« alle Schriftzüge von der gleichen Hand gemalt wurden. Dagegen könnte allerdings sprechen, dass der Soldat Plüschi die dunkelste und lässigste Brille sowie den entschlossensten Gesichtsausdruck trägt.

Es erscheint also möglich, dass sich der härteste Mann den weichsten Namen gegeben hat, was die Bundeswehr zu einer erstaunlichen Truppe machen würde: zu einer ironischen Armee.

Foto: Reuters

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