Sagen Sie jetzt nichts, Martin Suter

Der Schriftsteller Martin Suter im Interview ohne Worte über die Frisur von Michel Houellebecq, Geldvermehrung und das wahre Wesen der Schweiz.

    Geboren: 29. Februar 1948 in Zürich
    Beruf: Schriftsteller
    Ausbildung: Werbetexter
    Status: Der reiche Poet

    Martin Suter erscheint, wie immer korrekt gekleidet, auf die Minute pünktlich im Foyer unseres SZ-Verlagshauses – sein neuer Roman Montecristo ist soeben auf Platz eins der Bestsellerliste geklettert. Auf einmal eine Stimme: »Hallo, Sie, stopp, haben Sie einen Besucherausweis?« Der Mann am Empfang ist etwas barsch, er erkennt den Schriftsteller nicht, und wir haben vergessen, ihn zum Fototermin anzumelden. Und Suter? Lächelt, füllt seelenruhig das Anmeldeformular aus und flüstert: »Ist doch gut, kein Problem, sonst wären wir womöglich noch verhaftet worden.« Suter sieht aus, als wäre er mit dem Helikopter eingeflogen, aber er ist ein Mensch der zarten Gesten und leisen Töne. Er ist sowieso schon so lange so erfolgreich, dass er sich nicht aufplustern muss. Mit 26 war er Kreativdirektor einer renommierten Schweizer Werbeagentur, nebenbei schrieb er Romane, Hörspiele, Drehbücher. Heute verkörpert er einen Schriftstellertypus, den es gar nicht so oft gibt: elegant, weltläufig, wohlhabend – mit dicker Uhr und Gel in den Haaren. Lange hat er auf Ibiza und Guatemala gelebt, jetzt ist er in seine Heimatstadt Zürich zurückgezogen. »Suters erstaunlich gelobte Romane sind erstaunlich schlecht geschrieben«, hat ein Kritiker mal gesagt. Millionen von Lesern sehen das anders.

    Fotos: Frank Bauer

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