Sagen Sie jetzt nichts, Serdar Somuncu

Der Kabarettist Serdar Somuncu über die Freude am Tabubruch, die NSA-Affäre und den deutschen Fußball.

    SEDAR SOMUNCU

    Geboren:
    3. Juni 1968 in Istanbul, Türkei 
    Beruf: Kabarettist, Regisseur, Schauspieler
    Ausbildung: Schauspiel-, Musik- und Regiestudium in Maastricht und Wuppertal 
    Status: Mainstream? Das sind die anderen.

    »Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung«, sagt Serdar Somuncu und lässt bei seinen Schimpftiraden keine Gruppe aus: ob Türken, Juden, Islamisten, Schwule oder Nazis. Über den verstorbenen österreichischen Politiker Jörg Haider urteilt er: »Welche Tragik! Dass ein Nazi in einer Rechtskurve stirbt, weil er zu viel Gas gibt!« Den Deutschen ruft er zu: »Leitkultur? Lernt Türkisch! Dann versteht ihr in Zukunft wenigstens, ob euer Nachbar euch gerade den Dschihad erklärt oder nur eine Tüte Milch haben will.« Markus Lanz fragte ihn: »Sie beleidigen jeden und alles?« Somuncu antwortete: »Ja - ich frage auch Veganer, ob Sie Oralverkehr haben dürfen.« Viele sehen in Somuncu einen Provokateur, der WDR nennt ihn »den Bullterrier des deutschen Kabaretts«. Bekannt wurde Somuncu, als er zwischen 1996 und 2001 mit Adolf Hitlers Mein Kampf auf Lesereise war. Damals entlarvte er - vor insgesamt 250 000 Besuchern - mit Kommentaren und Textanalysen die Widersprüche der NS-Ideologie. Die Folge: Morddrohungen aus der rechten Szene, Polizeischutz und eine kugelsichere Weste, die er manchmal auf der Bühne trägt. Somuncu ist mit seinem Programm Hassprediger auf Tour und hat gerade die Rolle des Muzafar in der französischen Komödie "Vive La France" synchronisiert, die am 31. Oktober in den deutschen Kinos anläuft.

    Fotos: Heinz Augé

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