»Echt nicht so schwierig, die Klitoris zu finden«

Ein Typ namens @dudewithsign wird auf Instagram für seine lustigen Protestschilder gefeiert. Jetzt hat er die erste Nachahmerin. Entsteht hier gerade eine neue Protestform gegen die Ärgernisse des Alltags?

Humor und Protest in einem: Schildbürgerstreiche auf Instagram. 

Quelle (von li.): @dudewithsign, @dogwithsign, @dudettewithsign (Instagram)

Der Typ mit dem Schild

Alles begann am 3. Oktober 2019, da postete Seth auf seiner Instagramseite @dudewithsign (»Typ mit Schild«) sein erstes Protestfoto: mit ernstem, entschlossenen Blick und erkennbar humorvoller Botschaft. Mit dem Plakat demonstrierte er nicht wie sonst üblich gegen Krieg, Trump oder Diskriminierung – sondern gegen nervige Bürokollegen. Der @dudewithsign hat mit seinen lustigen Protestschildern schon mehr als drei Millionen Follower gesammelt. Er postet regelmäßig Bilder von seinem Kampf gegen Ärgernisse des Alltags: zu teure Salate, anstrengende Instagram-Filter und falsch geschriebene Vornamen bei Starbucks. 

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@corporateamerica

Ein Beitrag geteilt von Seth (@dudewithsign) am

Was wird hier gefordert? Eine Eindämmung der E-Mail-Flut im Büro. (»Hört auf, eure Antwort auf konzernweite E-Mails an den gesamten Verteiler zu versenden.«) 
Warum ist das nötig? Weil es in jeder Firma, den einen Kollegen gibt, der seine »kurze und konstruktive Anmerkung« an alle 3000 Mitarbeiter schickt. 
Kann dieses Plakat die Welt besser machen? Zumindest für 2999 Arbeitskollegen.

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safe flights home, merry christmas ✌🏼

Ein Beitrag geteilt von Seth (@dudewithsign) am

Was wird hier gefordert? Weniger Ärger in der Sitzreihe. (»Wer im Flieger den mittleren Platz hat, kriegt die Armlehne.«)
Warum ist das nötig? Weil die Erorberung der Armlehne das letzte bisschen Selbstachtung auf einem Ryanair-Flug ist.
Kann dieses Plakat die Welt besser machen? Wenn die Leute es so aufmerksam beachten wie die Sicherheitshinweise im Flieger... ganz, ganz sicher.

Was wird hier gefordert? Das Ende übergriffiger Verwandtenfragen. (»Ja, Oma. Ich bin noch Single.«)
Warum ist das nötig? Weil es Weihnachten, Ostern und runde Geburtstage gibt. 
Kann dieses Plakat die Welt besser machen? Nein. Wenn Oma auf Instagram wäre, wüsste sie, ob man noch Single ist.

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@zuck

Ein Beitrag geteilt von Seth (@dudewithsign) am

Was wird hier gefordert? Internetkonzerne sollen einen bitte nicht ganz so offensichtlich abhören. (»Hört auf, mir Werbe-Banner zu zeigen für Dinge, über die gerade gesprochen habe.«)
Warum ist das nötig? Weil Apple, Google und Facebook inzwischen mehr über uns wissen als unser Ehepartner.
Kann dieses Plakat die Welt besser machen? Eher nicht. Aber wenn Sie diesen Absatz laut vorlesen, zeigt Ihnen Google gerne Werbung für kostenpflichtige VPN-Browser an.

Die Typin mit dem Schild

Als Reaktion auf den »Typ mit Schild« tauchte auf Instagram am 1. Dezember dann Beth, die @dudettewithsign (»Typin mit dem Schild«) auf. Eine junge Frau, die ebenfalls mit Papp-Plakaten auf der Straße demonstriert. Auch humorvoll, aber mit ernsterer Botschaft. Statt gegen Harmlosigkeiten wie Netflix oder Friends protestiert sie gegen miese Kerle und für mehr Selbstbewusstsein als Frau. 

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@dudewithsign it’s right there

Ein Beitrag geteilt von Beth (@dudettewithsign) am

Was wird hier gefordert? Bessere Ortskenntnisse von Männern. (»Es ist echt nicht so schwer, die Klitoris zu finden.«)
Warum ist das nötig? Weil die Vagina der eine Ort ist, den Männer nicht in ihr Navi eingeben können.
Kann dieses Plakat die Welt besser machen? Zumindest die Nächte.

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Seriously @dudewithsign stop

Ein Beitrag geteilt von Beth (@dudettewithsign) am

Was wird hier gefordert? Mehr Selbstbeherrschung nach dem Schlussmachen. (»Hört auf, um 3 Uhr morgens 'Was machst du grad so?'-Nachrichten zu schicken.)
Warum ist das nötig? Weil die Einsamkeit nie größer ist als um 3 Uhr morgens betrunken auf einer Tanzfläche, auf der man alleine steht.
Kann dieses Plakat die Welt besser machen? Ja, wenn man es um 2.59 Uhr in seiner Timeline entdeckt.

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And your toddler looks fine too

Ein Beitrag geteilt von Beth (@dudettewithsign) am

Was wird hier gefordert? Mehr Liebe zu sich selbst. (»Du bist so schön ohne Facetune.«)
Warum ist das nötig? Weil viele Frauen mit Fotofilter-Apps wie Facetune ihre Selfies nachbearbeiten, um vermeintlich makelloser auszusehen. 
Kann dieses Plakat die Welt besser machen? Wenn Kim Kardashian und Kylie Jenner das Foto teilen.

Der Hund mit dem Schild

Am 7. Dezember folgt dann noch »Baboy« unter dem Namen @dogwithsign, der sich über anstrengende Herrchen und Frauchen beschwert. 

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it’s your tinder bio, not mine

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Was wird hier gefordert? Gassigehen ohne Hintergedanken. (»Hört auf, mich als euren Anmachspruch zu benutzen.«)
Warum ist das nötig? Weil manche Hunde als Tinder-App auf vier Beinen gekauft werden und dann stundenlang im Stadtpark auf Flirt-Pirsch gehen müssen.
Kann dieses Plakat die Welt besser machen? Nein. Mit einem lustigen Schild um den Hals des Hundes kommt Herrchen oder Frauchen noch viel besser ins Gespräch mit anderen.

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@youknowwhoyouare

Ein Beitrag geteilt von Baboy (@dogwithsign) am

Was wird hier gefordert? Keine dummen Tricks mehr. (»Hört auf, so zu machen, als würdet ihr den Ball werfen!«)
Warum ist das nötig? Weil jeder Hund der Welt schon mal auf diesen Trick reingefallen ist. 
Kann dieses Plakat die Welt besser machen? Erst wenn Hunde das Lesen lernen. 

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garbage juice eau de toilette

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Was wird hier gefordert? Mehr Liebe zum Suhlen. (»Ich möchte mich drin wälzen – lass mich halt.«)
Warum ist das nötig? Weil saubere Hunde frustrierte Hunde sind.
Kann dieses Plakat die Welt besser machen? Nein, aber die Jacke. Damit wälzt es sich nur halb so schön im nächsten toten Maulwurf.

Drei sind ein Trend

... sagen Journalisten gerne. Und so erfolgreich, wie die drei Plakat-Demonstranten sind, sollten weitere Nachahmer nur eine Frage der Zeit sein. Das »...withsign«-Gag-Prinzip funktioniert, viele weitere Ableger sind denkbar, etwa: @grandpawithsign, @kidwithsign, @hamsterwithsign. Ganz nebenbei könnte so eine neue Form des Protests entstanden sein: die Ein-Personen-Demo gegen die Hindernisse des Alltags.