Der Mann, den die Berge riefen 

Wie ein Geflüchteter aus Sri Lanka in der Schweiz lernte, Schlitten zu bauen – und nun einer der ­wenigen ist, die dieses alte Handwerk noch beherrschen.

Kavithas ­Jeyabalan, genannt Kavi, am ­Eingang ­seiner Schreinerei.

Linkerhand ist der Schnee gute 20 Zentimeter hoch, scheinbar in Griffweite, vereinzelt sieht man darin Tierspuren von einem Rehkitz oder einem Hasen, darüber die stahlseilstarken Lawinenschutznetze. Durchs Zugfenster gegenüber blickt man auf die Tannen, die ihre weißen Fangarme über den Talkessel hängen lassen. Über Nacht hat es heftig geschneit, in Schrittgeschwindigkeit kämpft sich die Rhätische Bahn Kurve für Kurve und Tunnel um Tunnel das steile Schanfigg-Tal hinauf.

Vor 37 Jahren ist Kavithas Jeyabalan, Sohn eines Drechslers, geboren im äußersten Norden

Peist in Graubünden, Schweiz, ein Donnerstagmorgen im Januar 2021. Kavithas Jeyabalan, den hier

Diese Geschichte hat Kavithas Jeyabalan in der Schweiz schon oft erzählt. »Der Schlittenbauer

Kavi ist einer von vielleicht einem Dutzend Schlittenbauern in der Schweiz. Im Gegensatz

Ende 1983 in Jaffna, 38 Jahre und 7733 Kilometer entfernt: Kavithas Jeyabalan war

1984 wütete der Bürgerkrieg in Sri Lanka. »Jedes Mal, wenn sich im Land

Im selben Jahr stimmten bei der »Initiative gegen den Ausverkauf der Heimat«, einem Volksanliegen der rechtsnationalistischen Nationalen Aktion, 48,9 Prozent des Schweizer Wahlvolks mit Ja. Die Initiative wollte es Ausländerinnen und Ausländern ohne festen Wohnsitz untersagen, in der Schweiz Grundstückseigentum zu erwerben. Die Stimmung war geprägt von einer Das-Boot-ist-voll-Mentalität. Speziell tamilische Flüchtlinge hatten einen schweren Stand. Das Boulevardblatt Blick orchestrierte eine Hetzkampagne gegen angebliche »Heroin-Tamilen in Lederjacken«. 1989 starben bei einem nie aufgeklärten Brandanschlag in Chur vier Tamilen, darunter zwei Kinder.

Heute aber gelten Tamilen als »Vorzeige-Migranten«. Der Status des Sündenbocks wurde Mitte der

Es ist kurz vor elf. Kavi steht, die Arme verschränkt, schon wieder auf,

Das »Durchgangszentrum« in Chur liegt nicht weit vom Eingang des Schanfigg-Tals. Die Gleise

Heute ist Kavi der Letzte, der im Schanfigg-Tal den Schlittenbau beherrscht. 40 bis

Wenn er über Schlitten spricht, taut Kavi auf. »Für die Aroser Schlitten verwenden

An seine erste Schlittenfahrt erinnert sich Kavi nicht, aber es müsse in den

Kavis Modell kostet 490 Franken, umgerechnet rund 450 Euro, dafür bekommt man einen

Kavi, der Flüchtling aus Sri Lanka, ist Chef von 16 Mitarbeitern, besitzt mehrere

Die Schweiz mag ihre Einwanderer, wenn sie fleißig sind, angepasst, die Sprache beherrschen,

Kavi ist nicht nur gefühlt, er ist auch offiziell seit vielen Jahren Schweizer.

Als er zehn Jahre lang in Arosa angestellt war, beschloss Kavi Mitte der

Der Eingang zu seiner Schreinerei liegt gleich neben der Hauptstraße von Peist, einen

Aber ist es nicht ein Ärgernis, immer der dunkelhäutige Mann mit den Schlitten

Man könnte einwenden, dass Kavi nicht ganz unschuldig ist daran, dass sein Name

Kurz nach Mittag, die Sonne brennt den Schnee von den Straßen von Peist.

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka endete 2009 mit der Niederlage der tamilischen Kämpfer.

Der Fotograf macht Bilder, die Sonne lässt das Tal als Postkarte erstrahlen, im