"Fotografie ist erzählerisch: Das will ich loswerden."

Fotografie hat im SZ-Magazin schon immer eine herausragende Stellung eingenommen. Daher stellen wir Ihnen hier junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Jyrgen Überschär und seine Bilder im Bild.

    Name: Jyrgen Überschär
    Geboren: 1978
    Ausbildung: Staatl. Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
    Website: http://fotografie.hfg-karlsruhe.de/index.php?id=254
    Herr Überschär, Ihre Fotografien wirken wie ein Labyrinth aus Linien. Man kann sich nicht so recht erklären, wie sie entstanden sind.
    Früher habe ich viel gezeichnet. Ich mochte daran, dass man auf einem weißen Blatt Papier anfängt und darauf völlig neue Welten hervorbringen kann. Heute lasse ich aus einzelnen, bereits existierenden Punkten ein neues Bild entstehen. Deshalb habe ich angefangen, Orte aus verschiedenen Perspektiven zu fotografieren und die Fotos dann zusammenzufügen.

    Wie machen Sie das?
    Für meine früheren Arbeiten, wie die Bilder mit den Spiegelungen (Bild 1-6), habe ich einen Raum im Atelier gebaut, auf den ich mit dem Videobeamer ein Foto projiziert habe, das ich zuvor aufgenommen hatte. Anschließend habe ich das Objekt wieder abfotografiert.
    Mein aktuelles Projekt, die Bilder von der Werft (Bild 16 und Titelbild), habe ich am Computer aus verschiedenen Fotografien zusammengesetzt. Bei beiden Arbeitsweisen entstanden somit verschiedene Blickwinkel, die die Realität auflösen.

    Die Realität auflösen?

    Eine Fotografie kann uns immer etwas erzählen: so ist es gewesen, so sieht es dort aus. Das will ich loszuwerden. Ich versuche Wirklichkeit und Unwirklichkeit miteinander zu verknüpfen. Durch die Überlagerung vieler Ebenen und Linien zu einem Bild ist der reale Ort darauf nicht mehr klar zu fassen. Er wird unwirklich.

    Interview: Annekatrin Meyers

    Artikel teilen: