Sag mir, wo die Menschen sind

Fotografie hat im SZ-Magazin schon immer eine herausragende Stellung eingenommen. Daher stellen wir Ihnen hier junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Noémie Stegmüller und ein menschenleeres Oktoberfest.

    Name: Noémie Stegmüller
    Geboren:
    1979
    Ausbildung:
    Akademie der Bildenden Künste München
    Website:
    www.noemiestegmueller.de

    SZ-Magazin: Ihre Bilder des Oktoberfests wirken sehr unwirklich, niemand ist zu sehen und alles mutet ein wenig trostlos, reduziert an. Warum haben Sie diesen Kontrast gesucht?
    Noémie Stegmüller: Als ich in London wohnte, war die Stadt immer komplett überfüllt; nur morgens war sie leer. Ich mochte diese Leere und wollte durch die Anwendung von Technik Entfremdung erzeugen. Der Betrachter soll sich fragen: Was ist passiert? Wo sind all die Leute hin? Also habe ich Orte, die sonst überfüllt sind, morgens um halb sieben menschenleer fotografiert. Ich fand, dass der beste Ort in Deutschland dafür das Oktoberfest ist.  Wie bekommen die Fotos so ein helles, körniges Aussehen?
    Es ist eine Mischung aus Großbildfotografie mit digitaler Technik. Ich fotografiere nur mit analogen Kameras, die anschließende digitale Bildbearbeitung steht nicht im Vordergrund. Die Entfremdung der Bilder entsteht durch eine lange Überbelichtung, sodass man nichts mehr sieht. Die vorhandenen, aber nicht sichtbaren Bildinformationen hole ich dann mit digitaler Technik zurück. Ich verändere also weder die Farben noch retuschiere ich nachträglich das Bild.  

    Was sagen Wiesn-Besucher zu Ihren Bildern?
    Jeder kennt das Oktoberfest eigentlich nur als überfülltes Volksfest, die Bilder hingegen strahlen eine Ruhe aus. Manche sagen spontan: "Oh, wie schön!"

    Interview: Nicolai Helling

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