Sagen Sie jetzt nichts, Dietmar Bartsch

Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linkspartei, im Interview ohne Worte über ironische Politiker, rechte Linke und sein Verhältnis zu Oskar Lafontaine.

    Geboren: 31. März 1958 in Stralsund
    Beruf: Politiker
    Ausbildung: Studium der Wirtschaftswissenschaften
    Status: Pragmatisch – praktisch – gut

    Ein Kabarettist hat mal gesagt, anhand der Linkspartei könne man sehen, dass der Sozialismus nicht an seiner Grundidee scheitert, sondern an seinem Personal: zu viele Grabenkämpfe, zu viel Opposition, zu viel Polemik. Von allem ein bisschen zu viel. Dietmar Bartsch, so scheint es, ist angetreten, um den Gegenbeweis zu erbringen. Seit 2015 bildet er zusammen mit Sahra Wagenknecht die Doppelspitze der Bundestagsfraktion der Linken. Während Wagenknecht aber längst zu einer Art folkloristischen Attraktion der Linken geworden ist, fällt Bartsch vor allem dadurch auf, dass er nicht auffällt. Geht man vom durchschnittlichen (Linken-)Politiker aus, ist Bartsch von allem ein bisschen zu wenig: zu wenig provozierend, zu wenig ideologisch, zu wenig laut. Trotzdem hat er es weit gebracht. Das hat einen einfachen Grund: Wenn alle schreien, ist der, der wenigstens ab und zu den Mund hält, nicht langweilig, sondern revolutionär. Und wenn ein Revolutionär auch noch Realitätssinn hat (»Von der Hoffnung auf den plötzlichen Ausbruch des Sozialismus haben wir uns verabschiedet«) wird aus ihm ein richtig anständiger Politiker. Keiner, der Häuser besetzt, sondern jemand, der seiner Partei Regierungsverantwortung zutraut. Nicht besonders aufregend, im besten Sinne.

    Fotos: Tibor Bozi

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