Sagen Sie jetzt nichts, Marina Weisband

Die ehemalige Geschäftsführerin der Piratenpartei über weiblichen Charme, Putins Psyche und ihre Kunst-Karriere.

    Geboren: 4. Oktober 1987 in Kiew
    Beruf: Publizistin, Politikerin
    Ausbildung: Studium der Psychologie
    Status: Land in Sicht

    Die Schlachten sind vorbei, das Schiff so gut wie gesunken – dabei ist es gerade mal drei Jahre her, dass es so aussah, als würde die Piratenpartei die politische Landschaft umkrempeln. Die AfD gab es damals noch gar nicht. Ein paar Shitstorms haben den virtuellen Frühlingshauch mit sich genommen. Und Marina Weisband? Ist nicht mehr die kluge, schöne Geschäftsführerin und Lichtgestalt einer aufstrebenden Partei, sondern nur noch Ikone einer gescheiterten Utopie. Dass sie smart genug ist, ein untergehendes Boot zu verlassen und trotzdem im Gespräch zu bleiben, versteht sich. Seitdem Putin seine Großmachtfantasien auslebt, sitzt sie regelmäßig in Talkrunden, um die ukrainische Seele zu erläutern – immerhin hat sie als ukrainische Staatsbürgerin tagelang auf dem Maidan in Kiew mitdemonstriert. Sie hat ein Buch geschrieben, stellt Kunst aus, gibt Interviews, füllt ihre eigene Webseite, hat ihr Studium abgeschlossen, geheiratet und vor Kurzem ihren ersten Arbeitsvertrag bei einer politischen Internetplattform unterschrieben. Ihr Flirt mit der Revolution ist vorüber. »Wir brauchen zwanzig Jahre, um die Welt zu verändern«, hat sie 2013 gesagt. Es hat zwei Jahre gebraucht, um Marina Weisband zu verändern – ein bisschen wenigstens: Piraten-Mitglied ist sie immerhin noch.

    Fotos: Tibor Bozi

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