Sagen Sie jetzt nichts, Ralf Stegner

Der SPD-Politiker im Interview ohne Worte über die Jamaika-Verhandlungen, Christian Lindners Redetalent und Peer Steinbrücks Mittelfinger.

    Geboren 2. Oktober 1959 in Bad Dürkheim
    Beruf Politiker
    Ausbildung Studium der Politikwissenschaft, Germanistik und Geschichte in Freiburg und Oregon
    Status Der in die Zitrone beißt

    Ralf Stegner ist die Betonwand, an der alle Warnungen vor einer Verflachung, Infantilisierung oder Glamourisierung des Politikbetriebs zerschellen. Stegner ist unhip, kantig, scharfzüngig, und er kann so missmutig dreinschauen, dass man ihn manchmal kurz in den Arm nehmen und streicheln möchte. Mit diesen Eigenschaften wurde aus dem ehemaligen Innenminister von Schleswig-Holstein in relativ kurzer Zeit einer der markantesten SPD-Politiker Deutschlands – und in einer Mediengesellschaft wie der hiesigen, in der die falsche Krawattenfarbe über ein Fernsehduell entscheiden kann, ein liebenswerter Exot. Denn Stegner hat vielleicht nicht das Zeug zum Kanzlerkandidaten, schon gar nicht zum Heilsbringer oder Liebling der Massen, dafür aber ist er zu einer verlässlichen Größe geworden, der man irgendwie vertraut, gerade weil dieser Mann so anachronistisch, so wenig fernsehtauglich, sich manchmal dermaßen selbst im Weg stehend daherkommt. Ralf Stegner geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg und musste schon viel einstecken und runterschlucken, darunter auch persönliche Häme und mittelmäßige Satire. Und trotzdem ist er im Gegensatz zu vielen geschmeidigen Strategen und Emporkömmlingen immer noch da.

    Fotos: Alfred Steffen

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