Sagen Sie jetzt nichts, Sunnyi Melles

Die Schauspielerin im Interview ohne Worte über ihre Ängste, den morgendlichen Blick in den Spiegel und darüber, was sie von ihren Kindern gelernt hat.

    Geboren 7. Oktober 1958 in Luxemburg
    Beruf Schauspielerin
    Ausbildung Otto-Falckenberg-Schule in München
    Status Prinzessin auf der Bühne

    Es war einmal ein Mädchen, das in der Garderobe seiner Mutter einschlief, den Pudergeruch in der Nase, den Traum im Kopf, Künstlerin zu werden. Damals konnte sie nicht ahnen, dass sie einmal Peter Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn heiraten und nicht nur eine große Schauspielerin, sondern auch eine richtige Prinzessin sein würde. Zu Kopf gestiegen ist es ihr nicht. »Man glaubt«, hat sie mal gesagt, »als Prinzessin wohne ich in einem Schloss, aber ein Schloss besitze ich nur an meiner Tür.« Sunnyi Melles wuchs nach der Trennung der Eltern, die aus Ungarn geflohen waren, bei der Mutter in Basel auf, ohne Pass, staatenlos. So war ihre erste Rolle die einer Außenseiterin, aber Melles war schon damals kess. Wenn Leute sich über den ungarischen Akzent ihrer Mutter lustig machten, wies sie sie in lupenreinem Schweizerdeutsch in die Schranken. Als Schauspielerin war sie Goethes Gretchen, Lessings Emilia Galotti, die Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen, gehörte zum Ensemble der Münchner Kammerspiele und des Wiener Burgtheaters, bald wird sie für einen ZDF-Fernsehfilm die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria spielen. Melles gilt als kompliziert, aber mal ehrlich, wo kämen wir hin, wenn große Schauspieler auf einmal anfingen, easy zu werden.

    Fotos: Tibor Bozi

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