Was an anderen macht Sie rasend, Juli Zeh?

Die Schriftstellerin im Interview ohne Worte über das Bonn ihrer Kindheit, das männliche Körperteil, das sie am liebsten beschreibt, und die Frage, ob am Ende alles gut wird.

Juli Zeh

Geboren 30. Juni 1974 in Bonn
Beruf Schriftstellerin und Juristin 
Ausbildung Promotion Völkerrecht, Diplom am Literaturinstitut Leipzig 
Status Aufrecht

Je besser es einem geht, desto schlechter fühlt man sich – diesen Satz, der oft als Erklärung für unsere Zeiten herhalten muss, lehnt Juli Zeh für sich ab. Wenn mangelnde Demokratieliebe ein Dekadenzphänomen sei, sagt sie, wäre der Glaube an jeden zivilisatorischen Fortschritt dahin. Und: »Ich muss fest an den humanistischen Fortschritt glauben, weil ich sonst gar nicht wüsste, wofür ich morgens aufstehen und mich für irgendwas anstrengen soll.« Anstrengung scheut Juli Zeh offenbar nicht. Sie schreibt Buch um Buch – zehn sind es jetzt, zuletzt erschien Neujahr, ihr bekanntester Roman ist Unterleuten –, sie mischt sich in öffentliche Debattten ein, engagiert sich für Bürgerrechte und Datenschutz, ist seit 2017 SPD-Mitglied, nun soll sie Verfassungsrichterin in Brandenburg werden. Juli Zeh, die eigentlich Julia Barbara heißt, ist promovierte Juristin und lebt mit ihrer Familie in einer 350-Einwohner-Gemeinde im Havelland, die dem Dorf Unterleuten sehr ähnlich ist. Es sei ein Ort voller Menschen, die das Gute wollen und doch Unheil anrichten, schrieb ein Kritiker über Unterleuten. In einer Talkshow sagte Juli Zeh dazu, als Juristin habe sie fast nur mit solchen Leuten zu tun gehabt: »In dem Widerspruch steckt der innerste Kern unserer Existenz.«

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