Baukasten-Saga

    Herr Strasser, Santa Esperanza ist ein sehr kompliziertes Buch. Ungewöhnlich würde ich es nennen. Die Erzählung funktioniert wie ein Baukasten. Sie umfasst 36 Hefte à 24 Seiten, wobei jeweils neun Hefte die gleiche Farbe haben – Braun, Grün, Gelb und Blau. Die Hefte einer Farbe bilden einen abgeschlossenen Roman.
    Muss man die 36 Hefte der Reihe nach durchlesen? Wie man will: der Reihe nach oder nur eine Farbe. Aber man kann zum Beispiel auch nur das erste Heft jeder Farbe lesen. Mit Hilfe des weißen Heftes, das Inhaltsverzeichnis und Leseanleitung zugleich ist, findet der Leser versteckte Geschichten, die quer durch alle Farben erzählt werden. Jeder Leser kann seinen eigenen Weg durch das Buch finden.
    Worum geht es? Im Schwarzen Meer, auf der Insel Santa Esperanza, herrscht Bürgerkrieg. Der Autor erzählt vom Leben der Bewohner, das oft glücklich, aber stets vom politischen Chaos überschattet ist. In Georgien ist die Geschichte sehr berühmt. Der Autor, Aka Morchiladze, ist der bedeutendste georgische Schriftsteller der Gegenwart.
    Warum wird das Buch in einer Tasche verkauft? So trägt es sich leichter. Ein Schuber, in dem Taschenbuchreihen gewöhnlich stecken, ist unhandlich. Christian Strasser ist Geschäftsführer des Pendo-Verlags. »Santa Esperanza« von Aka Morchiladze, um 27,50 Euro.

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