Aus einer Hand

Das macht wieder was her: Sechs renommierte Designbüros stellen Objekte vor, die wirklich jeder selbst nachbauen kann.


1. Mobile von Robert Stadler

»#mood«

Es ist normal, auf die Frage nach der Laune keine einfache Antwort parat zu haben. Stimmungen ändern sich schnell, und oft weiß man selbst nicht, warum man gerade gut oder schlecht drauf ist – die Laune ist immer auch ein Spielball von Kräften, die wir nicht in der Hand haben. Robert Stadlers Mobile aus Stahlstäben und Nylonseil versinnbildlicht diese Dynamik in einem beweglichen, fein austarierten Windspiel von Pfeilen, die in alle Richtungen zeigen. Für Stadler ist es noch mehr: »Ein Symbol für die emotionale Orientierungslosigkeit, der wir in Sozialen Medien wie Facebook und Instagram ausgesetzt sind: Gib mir ein Like, und ich fühle mich besser.« (Hier finden Sie die Anleitung)

Kosten: ca. 20 Euro Zeit: 120 Min.


Robert Stadler

gehörte von 1992 bis 2000 zu dem von ihm mitgegründeten französischen Designkollektiv Radi Designers, das sich mit doppelsinnigen Möbeln einen Namen gemacht hat. Heute arbeitet Stadler, ein vielfach ausgezeichneter Designer und Künstler aus Wien, in Paris frei für Kunden wie Hermès, Palais de Tokyo und Thonet. Mit seiner Arbeit hinterfragt Stadler immer wieder die Grenzen zwischen Kunstwerk und Handwerk - und zwischen dem Seriösen und Absurden.

Rollcontainer von Jörg Schellmann

2. Rollcontainer von Jörg Schellmann
»Skatebox«

Manche Dinge liegen auf der Hand, und trotzdem kommt niemand drauf. Nehmen wir diesen simplen Rollcontainer, den der Münchner Designer Jörg Schellmann entworfen hat: Fehlt so einer nicht in jeder Wohnung? Als fahrbares Aufbewahrungsmöbel, als mobiler Beistelltisch, als Spiel- oder Werkzeugkiste, als Badezimmerschränkchen oder Küchenhilfe? Basis ist eine stapelbare Plastikbox mit Deckel-Element, an deren Boden einfach vier Lenkrollen angeschraubt werden. Schellmanns Rat: »Industrielle Fertigteile benutzen, statt zu basteln!« So hielt es Schellmann auch mit seiner eigenen Möbelkollektion »Storages«: In den Kommoden und Regalen stecken die gleichen Plastikboxen - als Schubladen und Aufbewahrung. (Hier finden Sie die Anleitung)

Kosten: 140 Euro Zeit: 60 Min.

Jörg Schellmann
wurde 1944 in Kassel geboren. Seit 1969 verlegt er Kleineditionen - Möbel, Objekte, Grafiken - von Künstlern wie Joseph Beuys, Christo, Andy Warhol oder Damien Hirst. Seit 2006 entwirft Schellmann auch selbst Möbel für Hersteller wie Moroso, e15 und Kind. Dabei lässt er sich von den Prinzipien industrieller Ästhetik und der Formensprache der Minimal Art leiten. Er arbeitet und lebt in München und New York.

Werkzeug von form us with love

3. Werkzeug von form us with love
»DIY-Tools«

Nimmt man einen gewöhnlichen Baumarkt mit seinem unendlichen Arsenal an Werkzeugen zum Maßstab und die Begeisterung, mit der es nachgefragt wird, müsste es in jedem Haushalt eine perfekt ausgestattete Werkstatt geben. Die Wahrheit aber ist: Braucht man einen Hammer, findet man ihn nicht, sucht man einen Schraubenzieher, bekommt man den falschen in die Hand. Und wer besitzt tatsächlich eine Wasserwaage? Das Stockholmer Designbüro Form Us With Love zeigt uns, wie man mithilfe eines Isolierbands aus Alltagsgegenständen diverse provisorische Werkzeuge fabrizieren kann: von der Greifzange bis zum einfachen Holzbohrer. Das Isolierband? Das gibt's natürlich im Baumarkt. (Hier finden Sie die Anleitung)

Kosten: 2,50 Euro Zeit: 60 Min.

Form Us with love
wurde 2005 von John Löfgren, Jonas Pettersson und Petrus Palmér in Stockholm gegründet. Das Designstudio gilt als wegweisender Vertreter des neuen nordischen Designs und entwirft Produkte wie Möbel, Uhren und Lampen, viele davon mit Preisen ausgezeichnet, für Hersteller wie Ikea, Muuto und Cappellini. Das Magazin »FastCo« führte Form Us With Love kürzlich unter den »50 einflussreichsten Designern, die unsere Zukunft gestalten«.

Beistelltisch und Hängelampe


4. Beistelltisch und Hängelampe von Neri & Hu

»Zhu/Xiang«

Für ihre beiden Objekte ließ sich das chinesische Designstudio Neri & Hu von den engen, chaotischen Gassen in Shanghais alten Lilong-Wohnvierteln inspirieren. Dort hängt Wäsche zwischen den Häusern über vertikalen Bambusstreben, Menschen sitzen vor ihren Türen auf Hockern und spielen Schach; kurz: Straße und Privatsphäre werden eins. Die Hängeleuchte, bestehend aus Kalligrafiepapier, LEDs und einer Bambusstange, nimmt diese Beobachtung auf. Ebenso der Beistelltisch, der eine aufgeklappte Pappbox mit einer stabilen Tischplatte (etwa aus Plexiglas) verbindet. Beide Objekte feiern die Poesie des Provisorischen, die sich immer dort zeigt, wo das Leben einfache Lösungen für menschliche Probleme finden muss. (Hier finden Sie die Anleitung)

Kosten: ca. 30 Euro Zeit: 120 Min.

Lyndon Neri & Rossana Hu
gründeten 2004 Neri & Hu in Shanghai, ein Büro für Architektur und Design, das mittlerweile auch eine Niederlassung in London unterhält. Ihr interdisziplinärer Ansatz, der die Inneneinrichtung von Restaurants und Hotels umfasst, aber auch Lehre, Forschung und klassisches Möbeldesign (etwa für BD Barcelona Design, Classicon und Moooi), hat ihnen viele internationale Auszeichnungen eingebracht.

Regal von Magenta Workshop

5. Regal von Magenta Workshop
»X-Shelf«

Man sollte meinen, dass Erfolgsmodelle dauerhaft dem Betriebsgeheimnis unterliegen. Das israelisch-palästinensische Designstudio Magenta Workshop denkt da anders und überließ uns für diese Strecke den Bauplan eines seiner Bestseller: Das X-Shelf, entworfen 2011, ist ein minimalistisches Regal mit strenger geometrischer X-Form, für das man kaum Werkzeug benötigt. Es besteht aus zwei Holzplatten, die an zwei Schlitzen zusammengesteckt werden. Es lässt sich beliebig skalieren und sogar stapeln. »Wir wollten ein modulares Aufbewahrungsmöbel kreieren, das einfach zu produzieren ist, das man herumtragen kann und das sich dank seines simplen Designs problemlos in jedes Interieur einfügt.« (Hier finden Sie die Anleitung)

Kosten: 15 Euro Zeit: ca. 30 Min.

Magenta Workshop
ist eine Designmanufaktur mit Sitz in Aminadav nahe Jerusalem, die 1992 von Ronen Bavly (Bild oben) gegründet wurde. Sie beschäftigt 25 Mitarbeiter, darunter Handwerker, Produktdesigner und Grafiker aus Israel und Palästina, und unterhält ein eigenes Ladengeschäft. Die Arbeiten des Kollektivs, vornehmlich Möbel aus Holz und Metall, wurden unter anderem mit dem Lexus Design Award und dem A Design Award ausgezeichnet.[Bild11]

Hocker von Oscar Diaz

6. Hocker von Oscar Diaz
»Plank«

Als Vorbilder für diesen Hocker dienten Oscar Diaz die hölzernen Schemel, die traditionell in japanischen Badezimmern stehen. Sie gehören als wichtiges Utensil zum Baderitual, bei dem man sich zwischen zwei Badegängen auf einem Schemel kräftig mit Seife abschrubbt. »Ich wollte einen Hocker, der bequem aussieht und gleichzeitig simpel zu bauen ist.« Für Diaz Hocker braucht man lediglich zwei jeweils 2,40 Meter lange Holzlatten, aus dem alle Teile gesägt werden, sowie zwei Metallver-bindungen und eine Handvoll Schrauben. Danach kann, muss man aber nicht baden. (Hier finden Sie die Anleitung)

Kosten: 20 Euro Zeit: ca. 90 Min.

Oscar Diaz
machte seinen Abschluss in Design am Londoner Royal College of Art unter Ron Arad. 2007 gründete er sein Designstudio in London. Er sagt: »Unsere Objekte sind einfach und verspielt und ziehen ihre Inspiration aus Alltagsgegenständen, denen wir einen unerwarteten Dreh verpassen.« Zu seinen Kunden zählen Muji, Hermès und Veuve Clicquot.

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