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Horst Janson
(*4.10.1935, Mainz), Schauspieler, Skipper.

Es gibt Geschäftsmänner und es gibt Lebemänner. Geschäftsmänner haben am Ende ihrer Tage ausgesorgt, dafür kann man in ihren Gesichtern lesen, dass das Leben kein allzu großer Spaß war. Es sind Gesichter, die so ganz anders aussehen als jenes von Horst Janson. Der ist dafür aber auch kein reicher Mann geworden. Seine Doppelhaushälfte in München-Grünwald, die er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern bewohnt, stand kürzlich vor der Zwangsversteigerung, weil er sich überreden ließ, in windige Ost-Immobilien zu investieren. Lebemänner sind halt anfällig für schlechte Geschäfte. Und weil Horst Janson ein stolzer Mann ist, hat er sich Zeit seines Lebens nie arbeitslos gemeldet, sobald er mal kein Engagement hatte. Jetzt kriegt er als Schauspielrentner nur 405 Euro im Monat, und es ist eine der vielen Absurditäten unseres Sozialsystems, dass er drei- oder viermal so viel bekäme, hätte er beim Arbeitsamt immer schön die Hand aufgehalten.

Also heißt es weiterarbeiten, notfalls bis zum Umfallen. Er sucht gerade (Hallo Eichinger! Hallo Hollywood!) nach Engagements. Zurzeit tourt Janson mit einer Komödie durchs Land, in der er einen Krimiautor spielt, der pleite ist. Und auch seine letzte große Fernseh-rolle war ihm wie auf den Leib geschrieben: In Unter weißen Segeln, einer Art Traumschiff mit Takelage, ist er der Kapitän. »Die wahre Freiheit liegt im Segeln, du gleitest vom Wind getrieben dahin, spürst in jeder Pore das Glück«, hat Janson mal in einem Interview gesagt.

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Janson ist auch privat ein passionierter Segler, hat am Starnberger See einen Verein für Traditionsboote mitgegründet und besitzt einen historischen Schärenkreuzer aus schwedischer Produktion. Und wenn ihm die Banken und Gläubiger doch noch das Dach über dem Kopf wegpfänden? Man glaubt zu ahnen, was Horst Janson, der Lebemann, dann machen würde: sich mit seiner Frau in sein Boot setzen und lächelnd in den Sonnenuntergang segeln. Und nie mehr wiederkommen.

Foto: dpa

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