So fallen Sie beim Online-Shopping nicht auf Tricks rein

Das Hotelzimmer war gestern noch halb so teuer? Die Espressomaschine macht furchtbaren Kaffee, dabei hatte sie doch so gute Bewertungen? Einkaufen im Internet ist bequem – und heikel. Wir verraten Ihnen, wie Sie sich vor den Maschen mancher Online-Anbieter schützen können.

Foto: iStock / BogdanVj

Onlineshops sind heute mindestens genauso voll (und oft auch so kräftezehrend) wie ein Kaufhaus an einem Samstag kurz vor Weihnachten. Laut Statistischem Bundesamt kauft in Deutschland jeder Dritte mindestens einmal pro Woche im Internet ein. Der Anteil der Befragten, die nur zweimal im Jahr online einkaufen, liegt bei gerade mal zwei Prozent. Und die Menschen lassen dort sehr viel Geld: Etwa 60 Milliarden Euro haben die Deutschen im Jahr 2020 im Online-Handel ausgegeben – vor zehn Jahren waren es 20

Nun liegt der Erfolg der Online-Shops aber nicht nur daran, dass es so praktisch ist, sich den Bleistiftspitzer, die Entkalkungstabletten für die Kaffeemaschine oder die Matschhose für die Kinder schnell im Internet zu bestellen. Sondern Online-Händler sind auch sehr gut darin geworden, Menschen dazu zu bringen, mehr zu kaufen, als sie eigentlich wollten. Die Tricks, die Händler dafür nutzen, sind ziemlich schlau. Doch es gibt zum Glück auch Expertinnen und Experten bei Verbraucherzentralen, in Think-Tanks und bei Regierungsstellen, die sich

Vermutlich kennen Sie diese kleinen roten Hinweise, die neben dem Angebot im Online-Shop stehen und warnen: »Achtung, nur noch zwei Exemplare verfügbar!«, »Vorsicht, neun weitere Kunden schauen sich gerade genau dieses Angebot ebenfalls an!«. Oder, besonders dreist: »Schade, dieses Schnäppchen ist leider nicht mehr verfügbar.« Dieses Design hat einen Namen: Dark Patterns. Das klingt nicht nur wie der Bösewicht in einem Science-Fiction-Film, sondern geht auch ähnlich fies vor. Die Stiftung Neue Verantwortung definiert diese kleinen Tricks als »sanfte Formen der Einflussnahme«, die Kunden zu »unüberlegten Kaufentscheidungen drängen«.

Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag geht noch weiter: »Der Einsatz von Dark Patterns ist unethisch, mitunter unlauter und gegebenenfalls betrügerisch«, schreibt Christoph Bogenstahl, der Autor einer Studie über dieses Thema. »Insbesondere sind auf die Ausnutzung menschlicher Wahrnehmungsschwächen ausgerichtete Dark Patterns für unerfahrene Nutzende schädlich, etwa Senioren, Kinder und Jugendliche sowie bildungsferne Gruppen.«

Dark Patterns sind vielfältig: Mal wird behauptet, der Preis für ein Hotelzimmer sei momentan außergewöhnlich stark reduziert –

Solche Tricks sind zu einem lukrativen Geschäft geworden: Eine 2019 veröffentlichte Studie der Princeton University hat festgestellt, dass rund elf Prozent der populärsten Shopping-Webseiten solche Dark Patterns verwenden, um Nutzer dazu zu bringen, potenziell schädliche Entscheidungen zu treffen. Also viel mehr persönliche Daten preiszugeben als nötig, oder mehr und teurere Produkte zu kaufen als geplant. Oft funktioniert das über den Trick, den Experten als Pressure Selling bezeichnen – also das Erzeugen von künstlichem Druck. So wird dem Nutzer vorgegaukelt, dass ein bestimmtes Produkt gerade bei vielen Käufern beliebt und deshalb wohl bald ausverkauft sei und man sich beeilen müsse, um noch ein Exemplar zu ergattern. So wird man unter Zeitdruck gesetzt – von dem Psychologen wissen, dass er zu unüberlegten Entscheidungen führen kann.

Die Verbraucherzentrale Bayern hat in einer Umfrage herausgefunden, dass bis zu 55 Prozent der Befragten bei solchen scheinbar

Wir Menschen sind soziale Wesen und wollen fast immer, dass unser Handeln

Was erwiesen ist: Wenn in einem Onlineshop viele Menschen eine positive Bewertung

Und auch die Bewertungsschreiber können zu einer Täuschung gehören. Ein Team um die Journalistin Svea Eckert vom NDR hat im Dezember 2019 unter dem Titel »Fake Likes« offengelegt, wie Menschen von dubiosen Agenturen dafür bezahlt werden, bestimmte Artikel und Firmen im Netz positiv zu bewerten. Auch den großen Online-Händlern wie Amazon wird immer wieder Trickserei vorgeworfen. Das Wall Street Journal hat im Herbst beschrieben, wie das größte aller Online-Kaufhäuser seinen Algorithmus still und heimlich so angepasst haben soll, dass Kunden auf der Suche nach bestimmten Artikeln nicht mehr die besonders beliebten oder relevantesten Artikel angezeigt bekommen, sondern jede, mit denen Amazon besonders viel Geld verdient. Auch hier empfiehlt Michèle Scherer von der Verbraucherzentrale Brandenburg: »Investieren Sie lieber ein bisschen Zeit in wirkliche Produktvergleiche.« Gibt es Testberichte über ein bestimmtes Produkt in der Fachpresse oder der Stiftung Warentest? Wie wird dieses Produkt bei anderen Online-Händlern bewertet? »Es lohnt sich oft, sich ein wenig mit den Artikeln zu befassen, als einfach auf die Bewertungen bei Online-Händlern zu vertrauen.«

Man sollte meinen, dass es für den Online-Handel keine Rolle spielt, ob ein Produkt nach Sachsen-Anhalt oder Starnberg geschickt wird. Oder ob es abends von einem 19-jährigen Auszubildenden mit einem Aldi-Laptop oder nachmittags von einer 50-jährigen Professorin auf dem neuen iPhone bestellt wird. Aber dieser Eindruck täuscht. Es gibt beim Internet-Kauf das Prinzip Dynamic Pricing – das Anpassen von Preisen an den Käufer. Das Prinzip ist nicht neu (schon Tankstellen ändern ihren Benzinpreis oft mehrmals am Tag, damit es dann besonders teuer ist, wenn besonders viele Menschen tanken müssen), findet aber im Internet seinen perfekten Nährboden. Denn vieles von dem, was abstrakt als »Big Data« bezeichnet wird, kommt hier zur Anwendung: das datenbasierte Festlegen von verschiedenen Preisen für das gleiche Produkt.

Wie genau das funktioniert,

Leider lassen sich genaue

Wenn Online-Shops mit technischem

Ein Wort, das im

Doch ein paar Fachleute