Trennungsfantasie

Wir haben Glück, wir leben in einer riesigen Wohnung. Die Decken sind so hoch, man sieht sie kaum. Leider, architektonisches Missverständnis, hat die Wohnung trotzdem nur zwei Zimmer. J. möchte deswegen Paravents hineinbauen, und zwar aus den klapprigen Fensterläden südfranzösischer Landhäuser. Zur Not könnten auch welche aus dem Piemont oder aus dem Tessin dabei sein, sagt sie. Mit so einer mobilen Wand aus alten Holzläden ließen sich jedenfalls aus zwei Zimmern vier Zimmer machen, also optisch. Außerdem müsste man damit immer nur noch das halbe Zimmer aufräumen. Das sind lauter gute Gründe für Paravents. So gute, dass ich nun gern einen Paravent für meinen Kopf hätte. Unaufgeräumte Sorgen und alles, was ich gerade nicht denken möchte, könnten dahinter verschwinden. Ich müsste dann in Zukunft nur noch den halben Kopf aufräumen und hätte vorn immer Platz für ein paar hübsche Premium-Gedanken.

Gut aufgestellt: Paravent von Zanotta. 

Foto: Myrzik und Jarisch

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