Ein Pfand für die Gesellschaft

Interviews mit Menschen, die wir einfach gut finden: Raul Krauthausen, der aus Pfandbons Spenden für gemeinnützige Einrichtungen macht.

Respekt, Herr Krauthausen, Sie haben mit Ihrem neuen Spendensystem bereits mehr als 100 000 Euro gesammelt.
Raul Krauthausen: Das Besondere an »Pfandtastisch helfen!« ist, dass es Spenden so unkompliziert macht. Man muss dafür nicht mal Geld in die Hand nehmen, sondern nur seinen Pfandbon im Supermarkt neben dem Rückgabe-Automaten für Flaschen in unsere Spendenbox werfen. Mit dem Geld werden gemeinnützige Organisationen unterstützt, wie zum Beispiel die Berliner Tafel.

Wie kamen Sie auf diese Idee?
Das war beim Aufräumen nach einem Großfamilien-Weihnachtsfest. Irgendwie redeten mein Cousin und ich darüber, dass man Pfandflaschen ja eher zurückbringt, weil man zu Hause Ordnung will – und weniger wegen des Geldes. So kam der Gedanke auf, dass Menschen wahrscheinlich leicht dazu bereit wären, ihr Pfandgeld zu spenden. Hatten Sie einen Sponsor?
Nein. Wir haben die Idee bei einem Wett-bewerb eingereicht und ein Auto gewonnen. Das haben wir verkauft und damit die ersten Spendenboxen finanziert. So ging alles los.Inzwischen sind die »Sozialhelden«, wie wir uns nennen, ein großes Netzwerk an Freiwilligen. Wir wollen mit einfallsreichen Aktionen auf soziale Probleme aufmerksam machen – und sie im besten Fall beseitigen.

Im Moment sind Sie dabei, Ihr Pfandprojekt über Berlin hinaus auszubauen.
Wir arbeiten in verschiedenen Bundesländern mit einzelnen Supermärkten.

Warum nicht mit den großen Ketten?
Viele arbeiten im Franchise-System, man muss mit den einzelnen Marktleitern reden. Und mit großen Ketten wie Rewe oder Real ist es schwer, ins Gespräch zu kommen.

Woran hakt’s?
Ich weiß es nicht. All unsere Boxen laufen erfolgreich. Trotzdem haben wir im ersten Anlauf Absagen bekommen, nach dem Motto: »Schöne Idee, aber das machen wir nicht.« Jetzt sind wir etwas größer und versuchen es erneut. In Berlin haben wir eine Zusammenarbeit mit Kaiser’s geschafft, weil die Berliner Tafel, unser Partner, schon vorher gut mit dieser Kette zusammengearbeitet hat. Aber wir werden nicht aufgeben, an die anderen Großen heranzutreten. Sie müssten ja nur die Fläche für die kleine Box zur Verfügung stellen, hätten keinen weiteren Aufwand.

Wie viel Zeit stecken Sie in die ehrenamtliche Arbeit?
Pro Tag etwa zwei Stunden, plus Wochenende. Wir organisieren uns übers Internet, versuchen so unsere laufenden ebenso wie zukünftige Projekte zu steuern.

Was planen Sie als Nächstes?
Wir sind dran, Workshops – die »Sozialhelden-Akademie« – zu veranstalten, um unsere Erfahrungen mit anderen zu teilen. Außerdem arbeiten wir an einer »Wheelmap«, einer Karte, in die jeder rollstuhlgerechte Orte eintragen kann. Diese »Wheelmap« soll es einmal als Weltkarte geben.

Was treibt Sie an?
Es klingt vielleicht pathetisch, aber mein Cousin und ich hatten eine tolle Kindheit, einfach alles, was wir brauchten. Das möchten wir anderen auch ermöglichen.

Raul Krauthausen studiert in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und arbeitet beim Radiosender Fritz in Potsdam. Seine Webseite: www.sozialhelden.de.

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