Olympioniken wie du und ich

Die auffällige Olympia-Teamkleidung von Willy Bogner hat oft für Spott gesorgt. Bei der Eröffnungfeier am Freitag tragen die Deutschen bei Winterspielen nun erstmals Adidas. Dafür gibt es Applaus aus dem Ausland – aber unsere Modekolumnistin wird wehmütig.

Die erste kleine Sensation, obwohl die Olympischen Winterspiele in Südkorea noch gar nicht angefangen haben: Man vermisst die Bogner-Outfits.

Nicht konkret die von vier Jahren in Sotschi natürlich. Da war das Designteam tatsächlich ein bisschen weit übers Ziel hinausgeschossen und irgendwo zwischen Gay Flag und Langnese-Twister gelandet. Aber beim Anblick der neuen Teamkleidung, die diesmal komplett von Adidas gestellt wird, kann man doch ein bisschen wehmütig werden. Diese schlammfarbenen Parkas für die Eröffnungszeremonie, die roten Hoodies, die schwarzen Anoraks – das wirkt jetzt doch arg unauffällig.

Rein optisch ist dagegen nichts einzuwenden. Das Forbes Magazine erkennt sogar Parallelen zu Kanye Wests angesagter Yeezy-Kollektion, die Adidas ja auch irgendwie mit entwirft. Der Auftritt sei ähnlich minimalistisch und »effortless«, heißt es dort. Selbst wenn die Germans so schlecht abschnitten wie vor vier Jahren, hätten sie wenigstens schon mal in Sachen Stil gepunktet. Ah, der amerikanische Sportsgeist! Ganz nah dran am Olympischen Gedanken! Die Amerikaner werden übrigens überwiegend von Ralph Lauren eingekleidet, der ihnen für Freitag eine Jeans rausgelegt hat. Bei ungefähr Minus 20 Grad in Pyeongchang sicher eine Spitzenidee.

Im Grunde haben wir jetzt endlich bekommen, was wir all die Jahre immer wollten: funktionale Ausrüstung statt pseudomodischem Firlefanz, mehr Tarnkleidung statt Clown-Alarm, und trotzdem ist es wieder nicht recht. Denn irgendwie hatte das Bogner-Bashing ja auch Tradition. Alle vier Jahre wurde sich geschämt, gelästert, aufgeregt. »Die Italiener haben Armani, die Franzosen Lacoste, und was kriegen wir? Fire + Ice!«

Wie Die Welt 2014 berichtete, soll das Münchner Unternehmen regelmäßig ein Drittel der Kosten vom Deutschen Olympischen Sportbund erstattet bekommen haben – statt wie andere Firmen hohe Millionenbeträge zu zahlen für das Recht, ihre Sachen vor einem Milliardenpublikum präsentieren zu dürfen. Stets ein bisschen Frust über Bogner aufbauen, um auf Betriebstemperatur zu kommen – das war gewissermaßen das deutsche Anfeuern für die olympischen Wettkämpfe. Und jetzt sind da: einfach nur Sportklamotten.

Früher war nicht alles besser, aber zumindest kann man sich an einiges davon noch erinnern: Die schwarzen Steghosen und taillierten Anoraks mit dickem Fellkragen von 1992 in Albertville – so Vintage, dass man sie jetzt sofort wieder tragen würde. Selbst das Zebramuster und die orangefarbenen Sonnen (damit auch im hohen Norden immer die Sonne scheint) von Lillehammer 1994 waren rückblickend gar nicht so daneben wie zunächst gedacht. Zumindest die schwarz-weißen Rennanzüge der Skifahrer sind längst zum Klassiker avanciert. Und das Giftgrün und Orange von den Winterspielen in Turin 2006? Modisch gesehen natürlich ein absoluter Tiefpunkt, aber bekanntlich gewann das deutsche Team damit damals die Nationengesamtwertung, da wird man schnell nachsichtig.

Also mal abwarten, was man in ein paar Jahren über die Outfits von Pyeongchang sagen wird. Unabhängig vom Medaillenspiegel womöglich einfach: »Wie sahen die noch mal aus?«

Wird getragen von: allen deutschen Olympioniken
Wird getragen mit: positivem Sportsgeist
Das sagt der Mannschaftsarzt: »Hauptsache warm«
Typischer Instagram-Kommentar: »Ja wo laufen sie denn?«

Foto: Adidas

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