Holt euch endlich, was euch zusteht

Was tun gegen den Gender Pay Gap? Ganz einfach: Frauen sollten in Verhandlungen grundsätzlich mehr verlangen als die männlichen Kollegen - als ausgleichende Gerechtigkeit für all die Jahrhunderte, in denen es andersrum lief. 

Foto: Julia Sellmann

Letztes Jahr habe ich das erste Mal in meinem Leben als neue Deutsche gewählt - davor war ich britische Staatsbürgerin. Und dann gleich sowas: Hallo, neue Bundesregierung, mit mehr Männern denn je drin! What!? Warum überhaupt ist das eigentlich legal? Da müssen wir nun also auf den Feminismus der christlichen Männer im Bundestag hoffen, dass es endlich mal ein Gesetz gibt, das verbietet, dass Frauen in gewissen Jobs und Gegenden von Deutschland bis zu 25 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kolleginnen.

Ich will auf die Straße gehen und demonstrieren für die genau gleiche Bezahlung meiner Geschlechtsgenossinnen bei gleicher Ausbildung und gleicher Arbeit. Warum halten wir nicht zusammen? Warum geht kein Aufschrei durch die Gesellschaft? Ganz ehrlich, warum um Himmels Willen, gibt es nicht schon längst ein Gesetz, das so was verbietet?

Wie wärs mal mit Frauenstreik? Angezogen ans Bürogebäude ketten!

Schweigemarsch durch die Städte und Kommunen für all das verlorene weibliche Kapital! Wir müssen holen, was uns zusteht, wir müssen verstehen, was uns genommen wird. Geld bedeutet in unserer Gesellschaft nun mal Freiheit und Unabhängigkeit. Mit Geld kann man sich scheiden lassen, wenn man weg will. Mit Geld kann man Kinder alleine großziehen, wenn es sein muss. Und selbst für Menschen mit glücklicher Beziehung ist Geld wichtig: Es verhindert ungesunde Abhängigkeiten. So bleibt man glücklich.

Das fängt schon beim ersten Job an, wenn man ganz jung ist. Gehaltsverhandlungen, Ladies! Nicht denken, sympathische Frauen interessieren sich nicht für Geld und bringen das auch in Gehaltsverhandlungen zum Ausdruck! »Ich mach das ja nicht fürs Geld.« Nicht denken: Es ist unsexy, geldgeil zu sein. NÖÖPP! Nein, man sitzt da und denkt; ich bin geil, meine Arbeit ist geil, du willst mich, du brauchst mich und du bezahlst gerne dafür und zwar mehr als meinen männlichen Kollegen – bei gleicher Ausbildung und gleicher Arbeit. Warum? Als ausgleichende Gerechtigkeit für all die Jahrhunderte, in denen es andersrum lief. Das ist die Einstellung, die man mitbringt zu Gehaltsverhandlungen. Und, glaubt mir mal, wie geil man sich vorkommt, wenn man selber mehr rausgeholt hat, als drin war. Dann knallen innerlich die Korken. Yeah.

Vielleicht hängt das Gehaltsverhandlungs-Zentrum neben dem Rückwärtseinpark-Zentrum und das wiederum neben dem Dübeln-Zentrum. Nicht sagen, ich bin eine Frau, ich kann die drei Sachen nicht! Es ist nicht im Bereich des Möglichen, bei gar nichts mehr, zu sagen, dass man etwas nicht kann, weil man eine Frau ist! Nie mehr. Übt das ruhig zwei Mal, dann könnt ihr es! Und übt es viermal und ihr könnt es noch besser als jeder Mann.

Verhandelt euch den Arsch ab, wir müssen mehr Geld verdienen als die Männer. Seid ein gutes finanzielles Vorbild für eure Töchter. Und heiratet nur Männer, mit denen ihr euch eine gute Scheidung vorstellen könnt und macht auf jeden Fall einen Ehevertrag, weil die euch sonst bei der Scheidung die Hälfte eures super verhandelten hochverdienten Geldes abziehen. So, und jetzt los.

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