Welche Obstkerne kann ich mitessen?

Was passiert, wenn ich Apfel- oder Traubenkerne mitesse? Eine Expertin weiß, welche Kerne gesundheitsfördernd und welche giftig sind.

Illustration: Ryan Gillet

Die Diplom-Oecotrophologin Silke Restemeyer ist als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) tätig. Auf Grundlage von Forschungsergebnissen erarbeitet die DGE die für Deutschland gültigen Ernährungsempfehlungen und Aussagen.

»Die Kerne in Erdbeeren, Himbeeren oder auch Granatäpfeln und Maracuja isst man automatisch mit, sie sind genauso essbar wie die Samen in Kiwis. Unproblematisch sind beispielsweise auch die Kerne von Melonen, Kürbissen oder Weintrauben. Traubenkerne sind nicht nur ballaststoffreich, sondern enthalten mit Polyphenolen auch sekundäre Pflanzenstoffe, von denen gesundheitsfördernde Wirkungen ausgehen sollen. Da sie antioxidativ sind, wird vermutet, dass sie das Risiko für Krebskrankheiten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, das Wachstum von Bakterien, Pilzen und Viren unterdrücken und das Immunsystem positiv beeinflussen können.

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Kerne von Steinobst, wozu Aprikosen, Pfirsiche, Kirschen, Pflaumen oder auch Mangos zählen, sollte man nicht essen. Das Innere der Kerne enthält die toxische Substanz Amygdalin, die bei der Verdauung Blausäure bildet. Während der menschliche Körper geringe Mengen abbauen kann, können hohe Dosen zu schweren akuten Vergiftungen mit Krämpfen, Erbrechen sowie Atemnot und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung liegt die unbedenkliche Dosis für Erwachsene bei drei kleinen Aprikosenkernen pro Tag, Kinder sollten sie gar nicht zu sich nehmen. Bittere Aprikosen- und Mandelkerne werden wegen ihrer Aromaeigenschaften auch für Marzipan und Persipan verwendet, wobei eine Verordnung den Blausäuregehalt der Produkte auf einem sicheren Niveau hält. Das Innere von Aprikosenkernen wird zudem teilweise als Nahrungsergänzung verkauft. Es wird damit geworben, dass davon besondere gesundheitliche Wirkungen bis hin zu Heilversprechen im Zusammenhang mit Krebserkrankungen ausgehen. Da es dafür aber keine gesicherten wissenschaftlichen Belege gibt, ist die Werbung dafür sogar verboten worden.

Wenn man Apfel-, Birnen- oder Kirschkerne verschluckt, die ebenfalls Amygdalin enthalten, besteht kein Grund zur Sorge. Wenn der Kern nicht zerkaut wird, wird er einfach wieder ausgeschieden. Auch ein oder zwei zerbissene Apfel- und Birnenkerne sind unproblematisch. Anders verhält es sich bei einem hohen Konsum sowie der regelmäßigen Zubereitung von Smoothies, wenn das Kerngehäuse mit dem Kern mitpüriert wird. Da das Amygdalin dabei freigesetzt wird, rät man davon ab.«