Wie hat die Pizza Margherita ihren Namen erhalten?

Es ist weltweit die wohl beliebteste Pizza, dabei ist ihr Belag so schlicht: Tomate, Käse, Basilikum. Warum diese drei Farben wichtig sind, erklärt ein Experte.

Illustration: Ryan Gillet

Stefan Laffin ist derzeit Fellow am Deutschen Historischen Institut in Rom. Er hat über die Besatzung Süditaliens nach dem Zweiten Weltkrieg promoviert. Pizza Margherita isst er am liebsten traditionell, also in der neapolitanischen Variante mit Büffelmozzarella:

»Angeblich wurde die Pizza zu Ehren der italienischen Königin Margherita di Savoia erfunden. Bei ihrem Neapelbesuch 1889 war sie überdrüssig der französischen Küche, die sonst am Hof aufgetischt wurde. Der beste Pizzabäcker der Stadt soll den Auftrag bekommen haben, drei verschiedene Pizzen für sie zu backen. Eine davon belegte er mit Tomaten, Mozzarella und frischem Basilikum, in den Farben der italienischen Flagge. Die Königin war begeistert, heißt es, ließ sogar einen Dankesbrief übermitteln. So taufte der Pizzabäcker das Gericht auf ihren Namen: Pizza Margherita.

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Zwar hängt der Brief der Königin bis heute in dem Restaurant des Pizzabäckers, doch wird vermutet, dass dies ein gefälschtes Relikt ist. Wahrscheinlich ist, dass mit Käse, Tomaten, Basilikum und Olivenöl belegte Fladen schon länger in Neapel verbreitet waren. Denn Pizza gab es dort bereits im 18. und 19. Jahrhundert. Pizza war ein billiges, fettiges Stück warmes Brot mit etwas Belag, Streetfood im wörtlichen Sinn. Gegessen wurde sie von den Ärmsten der Stadt, die keine Küche besaßen.

Italien wurde erst 1861 ein Nationalstaat. Als das Königspaar Neapel besuchte, suchte man nach Symbolen, die das neue Italien greifbar machten. Die Pizza mit den Farben der Trikolore passte perfekt. Ein einfaches Gericht mit regionalen Zutaten, das plötzlich als Zeichen nationaler Einheit gelesen werden konnte. Ein wunderbares italienisches Märchen, auch wenn die Tomaten ursprünglich aus Südamerika stammen und das Mehl aus dem Nahen Osten.«