Schadet es der Gesundheit, Wasser aus alten Rohren zu trinken?

Wie sehr die Qualität der Leitungen unser Trinkwasser beeinflussen kann und was passiert, wenn sie in Altbauten rosten, erklärt eine Lebensmittelchemikerin.

Illustration: Ryan Gillet

Wiebke Miehe ist Lebensmittelchemikerin beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen-Lippe in Detmold. Sie ist dort zuständig für das Labor zur Untersuchung von Trinkwasser:

»Das Wasser, das beim Verbraucher ankommt, ist sauber, denn Trinkwasser wird in Deutschland streng kontrolliert. Die Wasserversorger müssen garantieren, dass es in einwandfreier Qualität bis zum Hausanschluss gelangt. In der Hausinstallation selbst, also den Leitungen und Armaturen des Gebäudes, kann sich die Qualität allerdings noch verändern.

Besonders in Altbauten können Rohrmaterialen zum Problem werden. Mittlerweile werden Rohre aus Kunststoff einbaut. Doch es gibt viele Leitungen aus Kupfer, Eisen und verzinktem Stahl. Früher wurde auch Blei verbaut, was mittlerweile verboten ist. Bis Januar 2026 müssen alte Bleileitungen in Deutschland ausgetauscht werden.

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Wenn die Rohre rosten, können sich Metalle lösen, die ins Wasser übergehen. Eisen kann das Wasser etwa bräunlich verfärben oder es metallisch schmecken lassen. Gesundheitlich ist das Eisen auch bei geringen Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser in der Regel unbedenklich.

Ein Risiko ist das Standwasser. Wenn das Wasser längere Zeit in der Leitung steht, hat es Zeit, mit den Materialien zu reagieren. Unabhängig vom Material können sich dann Bakterien im Wasser ausbreiten und vermehren. Es ist daher ratsam, nach längerer Abwesenheit erst einmal Wasser durch den Hahn ablaufen zu lassen, damit die Leitungen mit frischem Wasser gespült werden. Dafür reicht kaltes Wasser. Besonders in warmem Wasser bilden sich Keime und Bakterien. Legionellen fühlen sich zwischen 25 und 55 Grad besonders wohl. Sie können beim Duschen über feinste Wassertröpfchen in die Lunge gelangen und zu einer schweren Lungenentzündung führen. In Mehrfamilienhäusern ist deshalb eine regelmäßige Untersuchung des Trinkwassers auf Legionellen Pflicht.«