Folge 12: Wir können es schaffen

Warum der neue Arbeitsvertrag des Fußballtrainers Peter Neururer ein Zeichen der Hoffnung in finsteren Zeiten ist.

Ja, die Wirtschaftskrise macht einem Angst. Nichts ist mehr sicher, nichts bleibt, wie es war, alles ist in unerbittlichem, unaufhaltsamem Wandel begriffen, und wie das alles ausgeht, weiß kein Mensch. Es ist fürchterlich.

Einziger Lichtblick: Manche Dinge haben Bestand, auch in diesen Zeiten. Und das, WEIL sie sich verändern, WEIL sie in ständiger Veränderung Konsistenz zeigen. Gerade wurde bekannt gegeben, dass der Fußballtrainer Peter Neururer jetzt beim Verein MSV Duisburg einsteigt. Das ist seine 14. Stelle als Vereinstrainer in 20 Jahren. Er war zuvor schon beim TuS Haltern, bei Rot-Weiß Essen, Alemannia Aachen, FC Schalke 04, Hertha BSC, 1. FC Saarbrücken, Hannover 96, 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf, Kickers Offenbach, LR Ahlen, VfL Bochum, noch mal Hannover 96. Meister ist er nie geworden. Ja, man kann darüber schmunzeln, man kann den Mann belächeln, der sich seit Jahren immer wieder selbst zum besten Trainer des Landes ausruft, aber dann doch überall nur kurze Gastspiele ohne große Erfolge gibt. Die erwartbaren Glossen werden jetzt in allen möglichen Tageszeitungen zu lesen sein.

Dabei ist die Meldung von Neururers 14. Dienstantritt ein Grund, in diesen Zeiten Hoffnung zu schöpfen. Der neue Vertrag sagt doch ganz klar: Das Leben geht weiter. Während Autokonzerne und Global Players im Sekundentakt auf Miniformat schrumpfen, zieht hier ein Mann, der die Welt von ganz oben (1.Liga) bis ganz unten (als Spieler hat er es nie über die Amateur-Oberliga hinausgeschafft) kennt, unbeirrbar seine Bahnen. Der fordert keinen Schutzschirm, der will keine Bürgschaften und keine Sicherheitsgarantien, der macht einfach weiter. Macht das, was er gelernt hat, kümmert sich darum, dass Geld für seine Familie rumkommt. Bleibt dran. Weil ihm nichts anderes übrig bleibt.

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Und so grausig es ist – uns allen, dem ganzen Land, wird ja auch nichts anderes übrig bleiben. Jeden Tag heißt es, es wird alles immer noch viel schrecklicher werden, am liebsten würde man sich gleich verkriechen. Aber wir müssen auch irgendwie weitermachen. Die nächste Aufgabe annehmen. In kleinen Schritten weitergehen. Ab und zu hoffnungsfrohe Sätze posaunen. Einander helfen. Hinfallen, aufstehen, weitermachen. Hilft ja nichts.

Wir sind alle Peter Neururer.

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