Heul doch!

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Valerie Schmidt und ihre Arbeiten über Emotionen und Gefühlsausbrüche. Sie portraitiert Menschen, die hysterisch lachen, heftig weinen oder vor Zorn brüllen.

    Name: Valerie Schmidt
    Jahrgang: 1982
    Ausbildung: Folkwang Universität Essen
    Website:  http://www.valerieschmidt.de/

    SZ-Magazin: Frau Schmidt, was reizt Sie an der Extase?
    Valerie Schmidt: Ich finde ich es spannend, mitanzusehen, wie sich ein menschliches Gesicht von einer Sekunde auf die andere verändern kann. Aus einem Gesicht werden dann ganz viele. Bei der Ekstase werden Gesichtsausdrücke schon fast überdeutlich und es geht nicht mehr nur um ein Abbild der Person, sondern um die darstellende Person im Bild.

    SZ-Magazin: Bei allen Ihrer Portrait-Serien stellen Sie die Menschen mit ungewöhnlichen Gesichtsausdrücken, in ungewöhnlichen Posen dar. Was ist die Idee dahinter?

    Schmidt: Ich sehe meine Portraits als eine Möglichkeit, Geschichten über menschliche Zustände zu erzählen. Die Haltungen, in denen ich die Personen fotografiere sind ja nicht irreal, sondern nur ungewöhnlich für eine abbildende Portraitfotografie. Momente, in denen sich die Menschen so verhalten, oder solche Gesichter machen sind oft die, in denen sie ihrem eigenen Wesen viel näher sind, ohne ihr Äußeres zu wahren. Ich möchte das bewegte Gesicht fotografieren und nicht das erstarrte.

    SZ-Magazin: Herkömmliche Portraitfotografie reizt Sie nicht?
    Schmidt: Wenn herkömmliche Portraitfotografie bedeutet, ein "neutrales" Abbild einer Person zu dokumentieren, so glaube ich nicht daran, dass dies geht. Ein für Minuten erstarrtes Gesicht ist meiner Meinung nach nicht neutral, sondern nur erstarrt. Auch möchte ich niemanden minutenlang zähnezeigend in die Kamera lächeln lassen. Das wäre gruselig. Es gibt viele tolle Portraits von nicht-heulenden oder nicht-schreienden Menschen, die mich sehr faszinieren, aber die werden schon von anderen gemacht. Ich befasse mich zur Zeit mit der Darstellbarkeit von Gefühlsausbrüchen. Ein heftiges Weinen, zorniges Brüllen oder ein hysterischer Lachanfall ist etwas, was jeder kennt, aber selten in Bildform zu Gesicht bekommt.

    SZ-Magazin: Worauf genau achten Sie, wenn Sie Menschen fotografieren?
    Schmidt: Darauf, dass ich sie mit meiner Kamera nicht erschrecke und sie immer noch merken, dass sich mein Gesicht, welches auch reagiert, immer noch hinter dieser befindet.

    SZ-Magazin: Gibt es ein neues Projekt, das Sie uns kurz schildern wollen?
    Schmidt: Im Moment fotografiere ich Väter unmittelbar nach der Geburt ihres Kindes, wenn sie gerade realisieren, dass sie Papa geworden sind. Das sind schon wirklich sehr emotional bewegte Gesichter, in die ich zur Zeit immer wieder blicke.

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