Schön bedeckt

Bei der Wahl zur »Miss World Muslimah« gibt es keine Auftritte im Bikini und die Kandidatinnen tragen Kopftücher. Die amerikanische Fotojournalistin Monique Jaques hat den Wettbewerb mit der Kamera begleitet.

Name: Monique Jaques
Geburtsdatum: Dezember 1985 in New York, USA
Ausbildung: Bachelor of Fine Arts, New York University, USA
Wohnort: Istanbul, Türkei
Website: www.moniquejaques.com SZ-Magazin: Warum hat Sie die Wahl zur »Miss World Muslimah« mehr interessiert als gewöhnliche Schönheitswettbewerbe?
Monique Jaques:
In meiner Arbeit versuche ich immer Wege zu finden, die Erlebnisse junger muslimischer Frauen der westlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und abgesehen von Kopftüchern, ist diese Wahl westlichen Schönheitswettbewerben sehr ähnlich.

Ein Ziel des Wettbewerbes ist, Vorurteile abzubauen. Mit welchen Vorurteilen sehen sich die Frauen konfrontiert?
Ich glaube, dass die Idee, die der Westen von der Lebensführung muslimischer Frauen hat, naiv und veraltet ist. Diese Frauen haben so viel gemeinsam mit westlichen Frauen, denn selbstverständlich reden auch sie über Make Up, Fernsehsendungen und Freunde.

Bei einer Miss-Wahl wird zwangsläufig auch der Körper einer Frau bewertet - was tragen die Frauen bei der »Miss Muslimah« Wahl?
Sie tragen sehr modische Outfits, die allerdings ihre Arme und Beine bedecken, und natürlich passende Kopftücher. Bikinis und Unterwäsche gibt es bei diesem Wettbewerb nicht zu sehen.

Wer sitzt bei der »Miss Muslimah« Wahl in der Jury?
Es sind Frauen und Männer, die von Beruf beispielsweise Designer, Lehrer und Mitglieder der »World Muslimah Foundation« sind. Die finale Entscheidung zwischen den letzten zwei Kandidatinnen ist eine Abstimmung unter 100 Waisenkindern. Letztes Jahr haben sie sich für Miss Tunesien entschieden. Sie bekam als Gewinn eine Pilgerreise nach Mekka, eine goldene Uhr, eine Reise nach Südkorea und einen Gold-Dinar im Wert von 10.000 Dollar.

Spielt das Thema Frauenrechte bei dieser Wahl eine Rolle?
Neben dem eigentlichen Ziel, die schönste muslimische Frau zu küren, ist dieses Event vor allem eine ungewöhnlich Plattform, um über seriöse und wichtige Themen zu sprechen. Miss Bangladesh arbeitet im wahren Leben beispielsweise als Geburtshelferin. Sie hielt eine Rede über die Müttersterblichkeitsrate und die Zustände im Gesundheitswesen in ihrem Land. Miss Indien ging es vor allem über die fehlenden Möglichkeiten zur Weiterbildung für Frauen in ihrer Heimat.

Die nächste Wahl zur »Miss World Muslimah« ist im Mai 2016 in Kuala Lumpur, Malaysia.

Fotos: Monique Jaques

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