Sagen Sie jetzt nichts, Ferris MC

So einen liebenswerten Chaoten haben wir lange nicht gesehen: Der Rapper Ferris MC über Kokain, Papst Franziskus und spießige Marken-Unterhosen.

    Geboren 2. Oktober 1973 in Neuwied
    Beruf Musiker und Schauspieler
    Ausbildung Erweiterter Hauptschulabschluss, Lehre als Kfz-Mechaniker
    Status Aus dem Leben eines Taugenichts

    Eigentlich wollte er mit 27 im Vollrausch als Legende sterben, jetzt trägt er einen Ehering und lebt mit seiner Frau in Hamburg: Sascha Reimann alias Ferris MC. Vor neun Jahren trug er sein Alter Ego – im Lied Düstere Legende – schon mal zu Grabe, in der Zwischenzeit ist er als festes Mitglied der Band Deichkind über die Bühne gehüpft. Jetzt ist er als Solokünstler zurück: Glück ohne Scherben heißt das neue Album von Ferris MC; es ist melodiös und weniger rotzig als früher, schon noch wütend, aber nicht mehr ganz so heftig – vielleicht weil er die ganz harten Mittelchen inzwischen weglässt. Er hat sich immer dagegen gewehrt, ein Gangsta-Rapper zu sein, und war genau deswegen glaubwürdiger, lustiger, wahnsinniger und vor allem weniger spießig als Bushido oder Sido. Aufgewachsen ist er in Bremen mit seiner Mutter und wechselnden Stiefvätern mit Hang zum Alkohol, mit zwölf begann er zu kiffen, es folgten: Musik, Erfolge, Abstürze, Auferstehungen, jede Menge wilde Geschichten. Neulich saß der inzwischen 41 Jahre alte Ferris MC bei Markus Lanz. Er trug ein blaues Pullöverchen, erzählte und erzählte, von Halluzinationen, Polizeikontrollen, einem Knastaufenthalt, und die Leute lachten sich schlapp – so einen liebenswürdigen Chaoten hatten sie lange nicht gesehen.

    Fotos: Tibor Bozi

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