Wovor schützt Sie das Filmemachen, Francois Ozon?

Der Regisseur Francois Ozon im Interview ohne Worte über Liebeskummer, Alltagsfluchten und das Genie von Rainer Werner Fassbinder.

    Geboren: 15. November 1967 in Paris
    Beruf: Regisseur
    Ausbildung: Regiestudium
    Status: Realitätsflüchtling

    Es gibt viele schöne Menschen, die nichts als schön sind. Sie tragen keinen Zauber, keine Tiefe in sich. François Ozon gehört nicht dazu. Er ist ein attraktiver Mann, ein Franzose durch und durch, fein, lässig, unrasiert, aber sein Gesicht trägt die Spuren eines Menschen, der gelitten hat, der sucht, der ringt; es ist das Gesicht eines Künstlers. Wie findet man seine Identität? Wie eine Beziehung zu seinem Körper, zu seinem Geschlecht? Wie entkommt man den Zwängen der bürgerlichen Gesellschaft? Und kann man auch außerhalb von ihr glücklich werden? Das sind die Themen seiner Filme, in denen viele Frauen und verlässlich viel Sex vorkommen. Als Kind hat Ozon bereits erste Filme mit der Super-8- Kamera seines Vaters gedreht. »Schon damals«, sagt er, »habe ich alle meine Emotionen und negativen Gefühle in meine Filme gesteckt.« Mit 17 sah er zum ersten Mal einen Film von Rainer Werner Fassbinder, Querelle. »Nackte Männer, schwuler Sex, Jeanne Moreau als Puffmutter – natürlich hat er mich umgehauen.« Filme von Ozon anschauen, das ist: der Realität entfliehen, nebenbei eine Psychoanalyse machen und Spaß dabei haben. Die Realität, hat er mal gesagt, sei ohnehin nur anstrengend und langweilig. Ozons neuer Film Frantz kommt Ende September in die Kinos.

    Fotos: Werner Amann

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