Sagen Sie jetzt nichts, Daniel Cohn-Bendit

Ein Interview, in dem der Politiker nichts sagt und doch alles verrät: über seine explosiven Reden, gefärbte Haare und ein mögliches NPD-Verbot.

    Name: Daniel Cohn-Bendit 
    Geboren: 4. April 1945 in Montauban, Frankreich  
    Beruf: Publizist, Politiker 
    Ausbildung: Soziologie-Studium an der Uni Nanterre bei Paris (abgebrochen) 
    Status: Der Stier, auf dem Europa heute noch reitet

    Es ist nur eine Vermutung, aber wahrscheinlich könnte eine durchschnittliche deutsche Familie von den Reisekosten eines Daniel Cohn-Bendit einen Monat gut über die Runden kommen. Cohn-Bendit wohnt in Frankfurt am Main, ist Europaabgeordneter der Grünen in Straßburg und hat ein Büro in Brüssel. Wie alle EU-Parlamentarier ist er viel unterwegs. Aber im Gegensatz zu den meisten anderen, die kaum ein Mensch kennt, geht Cohn-Bendit in diesem Bermudadreieck des europäischen Politikbetriebs nicht unter. Seine Reden im Europaparlament führt er mit Verve, explosiv und eindringlich, hunderttausendfach werden sie auf Youtube und anderen Videokanälen aufgerufen. Warum? Vielleicht weil ihm seine Biografie - gestützt auf die Pariser 68er-Revolte, die er als »roter Dany« mit anführte - jene Authentizität verleiht, die seine Kollegen mit ihren dunkelgrauen Anzügen und Krawatten oft vergeblich zu repräsentieren suchen. Daniel Cohn-Bendit trägt nie Krawatte, er verkleidet sich nicht, er arbeitet aus Überzeugung. Manchmal wirkt er deshalb wie aus einer anderen Zeit.

    Fotos: Tibor Bozi

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