Schweres Erbe

Im Nachlass des Onkels befinden sich Militaria mit Hakenkreuzen. Darf man die an Sammler verschenken oder verkaufen?

Illustration: Serge Bloch

»Im Nachlass meines Onkels befinden sich Militaria, die ich nicht besitzen möchte. Entsorgung ins Altmetall kommt aus ­Pietätsgründen nicht in Frage (er wurde mehrfach schwer verwundet und erhielt auch das Eiserne Kreuz). Meine Kinder schlagen vor, das aus dem Verkauf erlöste Geld zugunsten Kriegsgeschädigter zu spenden. Kann ich es verantworten, mit Hakenkreuz versehene Militaria an Sammler zu verschenken oder zu verkaufen, deren Geisteshaltung mich womöglich zutiefst anwidert, und sie durch den Verkauf indirekt zu begünstigen und zu bestätigen?« Angelika K., Kenzingen

Ich habe für Sie mal ein bisschen herumgefragt. Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden (sehr schnittiger, dreieckig aufragender Museums-Neu-Anbau von Daniel Libeskind übrigens) würde Ihre Sammlung gerne sichten. Für besondere Stücke würde man zahlen, generell aber freue man sich natürlich über Schenkungen, laut Pressesprecher gibt es dafür dann auch ein Dankesschreiben vom Direktor, allerdings besitzt man bereits 1,5 Millionen Gegenstände, die frühesten stammen aus dem 13. Jahrhundert, weshalb man schon aus Platzgründen nicht alles annehmen kann. Besonders interessiert ist man an Stücken, anhand derer eine persönliche Geschichte nachvollziehbar wird. Vielleicht gibt es Briefe oder andere Dokumente Ihres Onkels, die etwas über seine Kriegserlebnisse erzählen?

Auch vom Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt darf ich ausrichten, dass Sie sich gerne an sie wenden können. Hier würde man sich zum Beispiel über Stiefel aus dem Ersten Weltkrieg freuen, es gibt nur ein einziges Paar in der ganzen Sammlung, weil die im und nach dem Krieg damals aufgetragen wurden. An Eisernen Kreuzen herrscht dagegen kein Mangel, in beiden Kriegen wurden diese millionenfach vergeben.

Und falls Sie die Filmindustrie unterstützen möchten: Der Requisitenfundus und die Kostümabteilung vom Studio Babelsberg würden sich ebenfalls über eine Schenkung von Ihnen freuen. Militaria aus dem Zweiten Weltkrieg werden dort nur gegen strenge Auflagen an Produktionen ver­liehen, alles wird genauestens geprüft und kontrolliert, aus demselben Grund, aus dem Sie zögern, die Orden Ihres Onkels an einen Sammler solcher Memorabilia zu verkaufen. Die Idee Ihrer Kinder finde ich gut, möchte Sie aber in Ihrem Zweifel bestärken. Ich bin so froh, dass es Menschen wie Sie gibt, die sich solche Gedanken machen.